MEDIZIN Männer : Der Begründer der Pathologie

Über den Mediziner Rudolf Virchow

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Als Rudolf Virchow 1821 in Pommern geboren wird, spricht wenig für eine Karriere, die ihn zum bekanntesten deutschen Arzt seiner Zeit machen wird. Die Familie hat den Acker nie verlassen. Und auch er wäre wohl in Pommern geblieben, hätten sich nicht schon während der Schulzeit ein großer Wissensdurst und ausgeprägte Sturheit gezeigt: Der junge Virchow will Großes erreichen, so viel ist sicher. Und das Medizinstudium scheint ihm dafür die beste Voraussetzung zu sein.

1839 wird der Traum Wirklichkeit, der 18-Jährige beginnt eine Ausbildung an der Militärärzteakademie „Pépinière“. Die Vorbeben der Märzrevolution sind in Berlin schon spürbar, alte und neue Welten – König, Adel, Kirche, Bürgertum und Arbeiter – treffen aufeinander. Auch in der Wissenschaft reiben sich die Ideensysteme: Neben die romantische Naturphilosophie tritt die Naturwissenschaft mit vielen neuen Erkenntnissen. Virchow forscht und sucht nach Begriffen für dieses Neue: 1845 fordert er als Festredner, sich bei klinischen Beobachtungen auf physikalisch-chemische Untersuchungen zu beziehen. Leben, sagt er, sei Zellaktivität. Und das heißt nichts anderes, als die Gesetze der Mechanik auf den menschlichen Körper anzuwenden. Ein Skandal wider den herrschenden Vitalismus, der im menschlichen Leben ein unergründliches Prinzip sieht und kein erklärbares Konstrukt. Virchow schließt: „Omnis cellula e cellula“, eine Zelle kann nur aus einer Zelle kommen, nicht nur die gesunde, sondern auch die kranke. Das ist zwar nicht erst seine Idee, aber durch ihn wird sie zur Grundlage der Pathologie, der Lehre von krankhaften Veränderungen im Körper und deren Ursachen – bis heute Universitätsfach.

Und Virchow betreibt nicht nur die Pathologie des Körpers, sondern auch der Gesellschaft. Nachdem er 1848 in Oberschlesien eine Flecktyphusepidemie untersucht hat, klagt er: Es ist eine Sozialkrankheit! Hunger, unvorstellbare Arbeitsbedingungen und feuchte Lehmhütten seien die Auslöser. Die Ärzte sieht er in der Pflicht, dagegen anzugehen, denn sie seien die „natürlichen Anwälte der Armen“. Als der Ruf „Friede den Hütten und Krieg den Palästen“ auch in Berlin immer lauter wird, schließt Virchow sich an. Nach dem 18. März muss er nach Würzburg emigrieren. Aber die Politik wird ihn nicht los. Nachdem er als gefeierter Mediziner an die Charité zurückgekehrt ist, tritt er als Mitglied des preußischen Landtags in erbitterte Feindschaft zu Bismarck. Dessen Aufforderung zum Duell lehnt er 1865 ab – zum Glück für die Medizin. Durch Virchows Beharren auf naturwissenschaftliche Methoden hat sie einen entscheidenden Sprung gemacht. Sein eigener Sprung dagegen misslang: Als der 81-Jährige auf eine fahrende Straßenbahn aufspringen will, zieht er sich einen Oberschenkelhalsbruch zu. Er stirbt 1902 an den Folgen.

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