MEDIZIN Männer : Der erste echte Zahnarzt

Über den Zahnarzt Philipp Paff

Markus Langenstrass

Pfaff wird um das Jahr 1712 an der Fischerbrücke im heutigen Berlin-Mitte geboren. Zu dieser Zeit nehmen sich vor allem fahrende Heiler und Zahnbrecher der Zahnpatienten an – mit äußerst robusten Methoden: Bei Karies werden die betroffene Stelle und das Zahninnere mit einem glühenden Eisen kauterisiert, also verbrannt. Die meisten Patienten fallen bei dieser Prozedur in Ohnmacht. Neben den Heilern gibt es zwar auch Chirurgen, sogenannte Wundärzte, die Beschäftigung mit dem menschlichen Gebiss ist für sie aber meist nur ein Thema unter vielen. Wie vor ihm sein Vater schlägt auch Philipp Pfaff die Chirurgenlaufbahn ein und wird unter dem „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I. Kompanie-„Chirurgus“. Chirurgie ist damals ein Ausbildungsberuf mit Gesellen und Meistern. Als Pfaff 1744 eine Konzession als „Bürger und Amts-Chirurgus“ bekommt, macht er sich in seiner Privatwohnung auf der Fischerbrücke selbstständig. Die Geschäfte laufen zunächst schleppend, die Konkurrenz in der Nachbarschaft ist groß.

Wie Pfaff trotz finanzieller Probleme 1756 die „Abhandlung von den Zähnen des menschlichen Körpers und deren Krankheiten“ veröffentlichen konnte, ist unbekannt. 187 Seiten umfasst dieses erste deutschsprachige Lehrbuch der Zahnmedizin. Pfaff beginnt darin mit dem Aufbau der Zähne und einem Ratgeber, was ihnen schadet: Kälte und würzige Speisen seien dem Zahnwohl nicht zuträglich. Seine Erfahrung zeige außerdem, „dass die Zuckerbecker und Conditors selten gute Zähne besitzen“. Pfaff kritisiert die verbreiteten brachialen Methoden der Zahnbrecher und fordert einen behutsameren Umgang mit dem Patienten und seinen Zähnen. Ausführlich beschreibt er Zahn und Zahnfleischerkrankungen. Seine Therapievorschläge sollen den Grund des Übels und nicht nur das Symptom bekämpfen. Er erkennt, dass auch hygienische Vorkehrungen nach der Behandlung eine Rolle spielen: Mit Baumwolle soll die ausgebrannte Höhlung im Zahn getrocknet, gereinigt und dann mit Blei oder – „bey Standespersonen“ – mit Gold ausgefüllt werden. Als erster Chirurg überhaupt beschreibt Pfaff die direkte Abdeckung des freigelegten Zahnmarks mit einem gebogenen Stück Gold – ähnlich wird das heute noch gemacht. Damals entschied der Stand darüber, heute die Versicherung.

Durchsetzen kann sich Pfaff mit seinen Ideen aber nicht. Nachdem er als etwa 54-Jähriger kinderlos stirbt, gerät die „Abhandlung von den Zähnen“ in Vergessenheit. Erst viel später ziehen seine klugen Beobachtungen wieder Interesse auf sich: Vielen gelten sie heute als Grundstein einer deutschsprachigen wissenschaftlichen Zahnheilkunde.

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