MEDIZIN Männer : Tod in Theresienstadt

Medizinmänner: Über den Dermatologen Abraham Buschke

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Foto: wikipedia
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Wie wird man als Mediziner unsterblich? Indem man als Erster ein Krankheitsbild beschreibt, das dann den eigenen Namen trägt. Patienten jagt er einen Schauer über den Rücken – bis in alle Ewigkeit. Abraham Buschkes Ehrgeiz sorgte dafür, dass Dermatologen weltweit seinen Namen kennen: Neben der Buschkeschen Hitzemelanose, einer bräunlichen Pigmentation der Haut nach Wärmeeinwirkung, und dem Skleroedema adultorum Buschke, wachsartigen Verhärtungen der Haut, hat er vier weitere Krankheiten entdeckt. Mehr war von Buschke nicht bekannt, bis in den 80er Jahren bei der Renovierung der Bibliothek des Virchow-Klinikums drei eng beschriebene Blätter auftauchten. Buschkes Frau Erna hatte sie 1943 im KZ Theresienstadt verfasst. In einer Mischung aus Biografie und Erinnerung schildert sie das Leben ihres kurz zuvor verstorbenen Mannes: Buschke wird 1868 geboren, seine Eltern sterben, als er noch ein Kind ist. Das ist aus Sicht Erna Buschkes der Grund für seinen „unüberbrückbaren Pessimismus“. Und für seinen unbedingten Willen: Buschke ist detailversessen, stürzt sich in akribische Forschungen über Pilzkrankheiten. Er überprüft Ergebnisse jahrelang, bevor er sie veröffentlicht. Nach seiner Habilitation wird er Oberarzt am Rudolf-Virchow-Klinikum. In der noch jungen Dermatologie lassen sich kaum solche Lorbeeren verdienen wie in der Königsdisziplin Chirurgie. Das Fach gilt als unappetitlich, denn es befasst sich auch mit den venerischen, den sexuell übertragbaren Krankheiten. Weil jüdischen Ärzten oft der Zugang zu den großen Fachbereichen verwehrt bleibt, finden sie hier eine Nische – und reichlich unerforschtes Terrain. Zum Beispiel in der Syphilisbekämpfung: Die Wirksamkeit der Arsenverbindung Salvarsan gilt unter Ärzten als unumstritten. Buschke ist dennoch skeptisch: Er sieht in dem Medikament nur ein mögliches Mittel gegen Syphilis. Das verhindert seine Berufung zum Ordinarius. Dennoch wird er zum 60. Geburtstag von allen Seiten mit Ehrungen überschüttet.

Umso unglaublicher erscheint ihm, was ab 1933 geschieht: Buschke wird gezwungen, das Virchow-Klinikum zu verlassen, arbeitet nunmehr ehrenamtlich für die jüdische Gemeinde. Als die Buschkes 1937 auf Vortragsreise in New York sind, versuchen viele, das Paar von der Rückreise abzuhalten. Es hilft nichts: Im Vertrauen auf seine Verdienste in der Forschung und als Lazarettarzt im Ersten Weltkrieg kehren sie zurück nach Deutschland. Am 4. November 1942 werden sie ins KZ Theresienstadt deportiert. Buschke stirbt völlig erschöpft ein Jahr später, Erna darf 1945 in die Schweiz ausreisen. Buschkes Name hat in der Dermatologie überlebt.

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