Medizin : "Nationales Register für Prothesen"

Die deutschen Orthopäden haben sich den Forderungen nach einem Prothesenregister angeschlossen. Auslöser sind die in Berlin falsch eingebauten Kniegelenke.

Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie befürwortet dabei den Aufbau eines nationalen Registers für alle operierten Kunstgelenke.

Ein solches Endoprothesenregister wäre am ehesten in der Lage, fehlerhafte Produkte oder Behandlungsdefizite an einzelnen Kliniken zu erkennen, sagte Joachim Hassenpflug, Präsident der Gesellschaft und Direktor der Orthopädischen Universitätsklinik Kiel.

„Ob ein Kunstgelenk produktionsbedingte Mängel aufweist oder nicht sachgerecht implantiert wurde, lässt sich leider nicht immer schon in der Klinik erkennen“, sagte Hassenpflug. „Häufig wird ein Fehler erst erkannt, wenn sich die Prothese vom Knochen ablöst und ausgetauscht werden muss.“ Solche Lockerungen könnten, etwa durch Infektionen bedingt, bei allen Modellen auftreten.

2003 sind 23 574 Kunstgelenke im Hüftgelenksbereich und 8575 im Kniebereich noch einmal operiert und ausgetauscht worden. „Bei etwa 171 000 Kunstgelenken in der Hüfte und 90 000 Kunstgelenken im Knie, die in Deutschland jährlich eingesetzt werden, ist der Anteil keinesfalls zu vernachlässigen. Wechseloperationen sind immer mit Risiken für den Patienten und Kosten verbunden, die mit zunehmendem Alter immer größer werden.“

Studien zeigen, dass mehr als 90 Prozent der eingesetzten Kunstgelenke zehn Jahre und länger halten. „In Einzelfällen kann es jedoch schon früher zu Problemen kommen“, erläuterte Hassenpflug. Ob ein Modell durch besonders viele Wechseloperationen auffällt oder eine Klinik hinter den Anforderungen zurückbleibe, lasse sich häufig nur mit statistischen Mitteln erkennen. Hassenpflug: „Ein Endoprothesenregister bietet hier am ehesten die Möglichkeit, schwarze Schafe zu erkennen.“ Seine Gesellschaft bemühe sich seit Jahren um ein solches Register. In skandinavischen Ländern existieren sie bereits seit langem.

Der europäische Fachverband plant die Einrichtung eines europäischen Registers, an dem sich bereits acht Länder beteiligen. Auch aus diesem Grund halten die deutschen Orthopäden die Zeit für ein deutsches Endoprothesenregister für gekommen. Tsp

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