Medizin und Wetter : Gesund trotz globaler Erwärmung

Im Sommer 2003 starben 30.000 Europäer an den Folgen der Hitze. An steigende Temperaturen sollte man den Körper langsam gewöhnen.

Karin B,schuh
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Lob der Siesta. Bei heißem Wetter sollte man mittags ruhen. -Foto: Imago

Der Klimawandel ist trotz des verregneten Sommers nicht mehr zu bestreiten. Welche Folgen hat es aber für die Gesundheit der Deutschen, wenn es hierzulande langsam aber sicher immer wärmer wird?

Die Medizinerin und Meteorologin Angela Schuh ist optimistisch. „Wir werden weitgehend in der Lage sein, uns an die zunehmende Wärme anzupassen“, sagt die Professorin am Institut für Gesundheits- und Rehabilitationswissenschaften der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Der Grund für ihre Zuversicht: Der erwartete Temperaturanstieg wird sich über eine längere Zeit und langsam vollziehen.

Probleme gibt es allerdings in Extremsituationen, wie sie im Sommer 2003 oder im vergangenen Jahr in Europa während der Fußballweltmeisterschaft herrschten. Vor vier Jahren forderte die Hitzewelle 30 000 Tote in Europa, davon 7000 in der Bundesrepublik und 15 000 in Frankreich. „Als Konsequenz wurde in Deutschland wie auch in anderen Ländern ein Hitzewarnsystem eingerichtet“, berichtet Angelika Grätz, Medizin-Meteorologin beim Deutschen Wetterdienst in Freiburg.

Ob sich das neue Verfahren bewährt hat, steht aber noch nicht fest. Derzeit werten Experten die Daten des vergangenen Jahres aus. Doch Angelika Grätz vermutet, dass im Jahr 2006 weitaus weniger Menschen Opfer der Hitze wurden als drei Jahre zuvor. „Die Medien haben sich viel mehr mit dem Thema beschäftigt und es wurden regelmäßig Hitzewarnungen veröffentlicht“, erklärt die Meteorologin.

Gezielt wurden auch ausführliche Informationen zur Hitzebelastung an Seniorenheime weitergeleitet. Gerade für alte und kranke Menschen ist es bedeutsam, sich bei extrem hohen Temperaturen vorsichtig zu verhalten. Aber auch Gesunde sollten Körper und Lebensgewohnheiten dem Wetter anpassen – und zwar möglichst rechtzeitig.

Es ist wichtig viel zu trinken. Außerdem sollte die Kost salzhaltig sein, um die Flüssigkeit im Körper zu halten“, rät Schuh. Während der Mittagszeit sollte man sich in kühle Räume zurückziehen. Experten empfehlen außerdem die mediterrane Mittagsruhe. Wer körperlich aktiv sein will oder muss, sollte dafür die die weniger heißen Morgen- oder Abendstunden wählen. Was viele überraschen dürfte: Die Zahl der Menschen, die auf Grund extremer Temperaturen sterben, könnte künftig sogar sinken. Denn, wenn sich die Prognosen der Klimaforscher bewahrheiten, dann werden die Winter in Zukunft milder.

„Betrachtet man ein ganzes Jahr, dann sterben normalerweise viel mehr Menschen auf Grund von Kälte als von Wärme“, erklärt Schuh. Untersuchungen des Deutschen Wetterdienstes haben gezeigt, dass in Baden-Württemberg bei Kältewellen die Sterblichkeit mit ein bis zwei Tagen Verzögerung regelmäßig ansteigt. Und auch noch zwei Wochen später versterben in solchen Situationen mehr Menschen als man erwarten würde.

Allerdings ist Unterkühlung nur selten der Grund für wetterabhängige Todesfälle. Die niedrigen Temperaturen begünstigen nicht zuletzt gefährliche Atemwegserkrankungen. Kälte und Temperaturabfall belasten vor allem Herz-Kreislauf und verstärken vorhandene Erkrankungen, wie ein Projekt der Weltgesundheitsorganisation eindrucksvoll zeigen konnte. In der Studie wurde die Häufigkeit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in 21 verschiedenen Ländern untersucht. Karin Bundschuh

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