Gesundheit : Mediziner wehrt sich gegen Vorwürfe

Leibniz-Preisträger soll angeblich Daten manipuliert haben

Gideon Heimann

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat Voruntersuchungen gegen den Geschäftsführenden Direktor des Instituts für Physiologie an der Universität Hohenheim, Heinz Breer, eröffnet. Breer hat von der DFG 1998 den mit drei Millionen Mark dotierten Leibniz-Preis gewonnen. In der gewürdigten Arbeit ging es um die Erforschung des Geruchssinns. Nun jedoch wird dem Wissenschaftler und seinen Mitarbeitern vorgeworfen, sie hätten Daten manipuliert.

Die Untersuchungen konzentrierten sich auf das Eiweiß Caveolin, das – wie auch andere Botenstoffe – an der Umsetzung des Geruchssignals in Nervenreize beteiligt ist. Dies stellte sich im Zuge der Forschung heraus. Der Nachweis wurde mit Hilfe von Substanzen erbracht, die mit den gesuchten Stoffen reagieren. Als Ergebnis lagern sich in charakteristischer Weise Flecken im Trägermaterial ab.

Breer wird nun zum Vorwurf gemacht, diese Flecken für Abbildungen in Veröffentlichungen seiner Forschung überarbeitet zu haben, die Flecken zu Streifen, den so genannten Banden, verändert zu haben. Zudem sind in anderen Verfahren Stoffe mit radioaktiven Markern versehen worden, wobei bei Messungen mehrfach exakt dieselben Messwerte herauskamen. Das wiederum ist in der Forschung so gut wie ausgeschlossen.

Auf diese Werte angesprochen, räumt der Wissenschaftler unumwunden Fehler ein, die bei der Arbeit passiert sind. „Wir haben sofort alles nachgemessen, sind dabei aber zu Ergebnissen gekommen, die die damals getroffene Aussage der Forschung nicht in Frage stellen“, sagt Breer dem Tagesspiegel.

Den Vorwurf hingegen, die Banden manipuliert zu haben, wehrt Breer vehement ab: „Diese Stoffe, die wir für die Reaktion einsetzen, werden nicht vollständig verbraucht“, erklärt er. Sie setzen sich jedoch als Verunreinigung mit den Banden ab. Da sie damit gleichsam ein „Nebengeräusch“ verursachen, also mit dem eigentlichen Reaktionsergebnis nichts zu tun haben, sei es völlig legitim und in der wissenschaftlichen Arbeit auch üblich, in Publikationen nur die Banden zu zeigen, die den Kern des Ergebnisses darstellen.

Bei der DFG gibt es noch keine Einschätzung darüber, ob hier tatsächlich ein Verstoß gegen wissenschaftliche Prinzipien vorliegt. Sprecherin Eva-Maria Streier sagte, alle Autoren der Veröffentlichungen müssten sich nun schriftlich und mündlich äußern. Erst dann werde entschieden, ob die Vorwürfe stichhaltig genug seien, um den DFG-Ausschuss zur Untersuchung wissenschaftlichen Fehlverhaltens einzuberufen.

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