Gesundheit : Medizinische Forschung: Viren im Kampf gegen Bakterien nutzen

RHK

Aus Viren, die Bakterien befallen, können neuartige Antibiotika entwickelt werden. Über diese Hoffnung berichten Thomas Bernhardt und Ing-Nang Wang von der Texas A & M University im amerikanischen College Station (Science, Band 292, Seite 2263). Die Forscher untersuchen Bakteriophagen genannte Viren, die nur Bakterien infizieren. Die Qb genannten Erreger müssen nach der Infektion und ihrer Vermehrung im Innern des Mikroorganismus das Bakterium wieder verlassen. Zu diesem Zweck produzieren sie ein Eiweiß, das den Aufbau der Zellwand des Bakteriums stört. Diese bricht schließlich von selbst zusammen und öffnet den Viren den Weg nach draußen.

Die Wissenschaftler überlegen jetzt, ob sich das Virus-Eiweiß direkt als Antibiotikum einsetzen lässt. Als Wirkstoff verabreicht, müsste es ebenfalls die Zellwand von Bakterien schwächen und könnte so Mikroorganismen abtöten, die eine Infektion beim Menschen verursachen. Da der Aufbau der Zellwand bei den Bakterien ein relativ komplizierter Prozess ist, hoffen die Wissenschaftler obendrein, weitere Bakteriophagen zu finden, die mit anderen Eiweißen an anderer Stelle als Qb in diesen Vorgang eingreifen. Auch solche Proteine wären als Antibiotika geeignet.

Die Suche nach weiteren Bakteriophagen könnte den Ärzten demnach eine ganze Reihe neuer Antibiotika bescheren. Da viele gefährliche Bakterien längst Widerstandskräfte gegen althergebrachte Wirkstoffe entwickelt haben und gegen solche Antibiotika resistent geworden sind, wären neue Medikamente eine große Hilfe im Kampf gegen Bakterien-Infektionen.

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