Gesundheit : Mehr für die Kleinen tun

Bärbel Schubert

Das deutsche Bildungssystem soll grundlegend reformiert werden - vom Kindergarten bis zur Hochschule und Weiterbildung. Dafür haben sich Bund und Länder verständigt. Konkrete Empfehlungen dazu stellten Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) und Bayerns Wissenschaftsminister Hans Zehetmair (CSU) gemeinsam am Mittwoch in Berlin vor. Die Zeit der bildungspolitischen Grabenkämpfe ist vorbei, meinten beide einhellig.

Besonders für die Kleinen will die Politik künftig mehr tun. Der Kindergarten soll schon gezielt pädagogisch fördern und kindgerecht auf die Grundschule vorbereiten. Politiker und Experten sind sich darüber einig, dass Defizite in Kindergarten und Grundschule noch am ehesten ausgeglichen werden können. Möglichst soll schon das Erlernen der ersten Fremdsprache beginnen, wie im Ausland nicht ungewöhnlich.

Damit möglichst viele Kinder daran teilhaben könnnen und um die Familien zu entlasten, prüfen Länder und Kommunen sogar, ob sie die Kindergartengebühren abschaffen können. Nach dem Motto: Besser vorbeugen als nachbessern, wollen die Bildungspolitiker in die Grundschulen künftig mehr investieren. Bisher gehörte Deutschland unter den Industrieländern dabei zu den Schlusslichtern. Für die gymnasiale Oberstufe wird hierzulande dagegen überdurchschnittlich viel Geld ausgegeben. Nun sollen die Prioritäten überprüft werden. Die Grundschulen soll im Gegenzug mehr Augenmerk darauf legen, dass die Kinder die Grundlagen im Rechnen, Schreiben und Lesen auch wirklich beherrschen.

Mehr Förderung soll auch die vorgeschlagene Einführung von mehr Ganztagsschulen bringen. "Ganztagsangebote in allen Schulformen und in zumutbarer Entfernung für alle Kinder müssen ein klares pädagogisches Konzept bekommen", heißt es in den Empfehlungen. Ganz nebenbei wird damit auch Müttern die Berufstätigkeit erleichtert.

Die Reformbereitschaft kommt gerade zur richtigen Zeit. Zu wenige Abiturienten, zu viele Schul- und Studienabbrecher, Proteste verunsicherter Eltern und Wissensdefizite bei den Schülern: Der Druck auf das deutsche Bildungssystem wächst. Wenn in der kommenden Woche die Ergebnisse der bisher größten internationalen Schulleistungsuntersuchung Pisa bekannt gegeben werden, finden sich die deutschen Schüler voraussichtlich wieder auf den hinteren Plätzen wieder. Und das nährt die Verunsicherung der Eltern erneut, ob ihre Kinder in der Schule überhaupt das Richtige lernen.

Die Empfehlungen des Forum Bildung stehen auf einem guten Fundament: Außer Bund und Ländern waren Elternvertreter, die Kirchen sowie Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter an der Arbeit beteiligt. In über zwei Jahren Beratung haben zudem Experten ihr Wissen eingebracht, um in jeder Hinsicht den neuesten Stand zu berücksichtigen.

Gleichwohl haben sich die Beteiligten an ein brennendes Problem nicht herangewagt: Wie man künftig mehr Jugendliche zu höheren Bildungsabschlüssen führt und insgesamt zu besseren Qualifikationen kommt, bleibt nahezu ausgespart. Das Ziel immerhin ist anerkannt. Die Empfehlung, die Hochschulen zu effektiverer Arbeit zu bringen, und so weniger Studienabbrecher zu produzieren, ist zwar ein Schritt in diese Richtung. Doch wird das sicher nicht ausreichen.

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