Gesundheit : Mehr Leben in die Schulen

Die Heinrich-Böll-Stiftung macht Vorschläge für eine Reform

Uwe Schlicht

Etwa 13 000 Stunden verbringen Kinder und Jugendliche bis zum Abitur in der Schule. Etliche Stunden mehr, nämlich bis zu 18 000 Stunden, sitzen sie vor dem Fernseher oder bei Computerspielen; in diesen Medien erleben sie bis zum 18. Lebensjahr durchschnittlich 200 000 Gewaltakte. Wie soll die Schule darauf reagieren? Diese Frage treibt die Bildungskommission der Heinrich- Böll-Stiftung um. Ebenso beschäftigt sie das mäßige Abschneiden deutscher Schüler in den international vergleichenden Schultests für Mathematik und Naturwissenschaften (TIMSS) und bei der Lesekompetenz (Pisa). Jetzt hat die Stiftung Empfehlungen für eine große Schulreform vorgelegt.

Was wird kritisiert? Nach Ansicht der Bildungsexperten hat sich die Schule immer mehr von den Lebenswelten der Schüler entfernt. Deswegen erreichten die Lehrer nicht mehr die Schüler. Die heutige Schule sei eine „Schule der Passivität”. Die Schule mute ihren Schülern zu, auf Veränderungen bloß zu reagieren, statt sie aktiv mitzugestalten. Der Unterricht soll die Schüler zum Handeln motivieren. Das Wissen im Leben anwenden können – darum geht es.

Wie soll die alternative Schule aussehen? In „fortschrittlich entwickelten Schulsystemen” wie in Schweden oder Kanada wird vom frontalen Unterricht ganzer Klassen im festen Zeittakt immer mehr abgegangen. Lernaufgaben werden in Einzelarbeit sowie von interaktiv tätigen Gruppen unterschiedlicher Größe erledigt. Die Aktivitäten der Schüler unterstützen Mentoren, die nicht unbedingt Lehrer sein müssen. Sie helfen bei der Benutzung von Handbüchereien, elektronischen Medien, Internet, Labors und Experimenten. Für eine solche Betreuung vor allem in den Nachmittagsstunden könnten auch erfahrene Senioren gewonnen werden – was zugleich dem Ziel dienen kann, die Schule in der Gemeinde zu verankern.

Die Bildungsexperten der Böllstiftung plädieren für ein Kerncurriculum, das einen Minimalstandard festlegt und nicht mehr als die Hälfte der Unterrichtszeit vorgeben soll. Als neue Themen für die Curricula schlägt die Heinrich-Böll-Stiftung „zentrale Felder künftiger innovativer Entwicklungen“ vor: Dienstleistungen, Gesundheit, Ernährung, Landwirtschaft und Informationstechnik. Über verbindliche Inhalte hinaus sollen die Lehrer Spielraum bekommen, um Schülern mehr Wahlmöglichkeiten zu eröffnen und sie individueller als bisher zu fördern.

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