Gesundheit : Mehr Leistung, mehr Geld

H.S.

Wer seine Hausaufgaben pünktlich macht, kriegt mehr Taschengeld: Das Präsidium der Freien Universität will künftig die Mittel verstärkt nach den Leistungen der Fachbereiche verteilen, etwa nach Forschungsprojekten, Zahl der Absolventen und die Studiendauer der Studenten bis zum Abschluss. Bis zu zwölf Millionen Mark werden in diesem Jahr nach diesen Kriterien vergeben. Das entspricht ungefähr 100 Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter. Weitere 300 000 Mark, sprich: 20 Stellen, winken den Fachbereichen, wenn sie darüber hinaus ihre Zielvereinbarungen mit dem Präsidium über die Studienreform, die Nachwuchsförderung und neue Forschungsfelder erfüllen.

"In Zukunft müssen wir dahin kommen, die Grundfinanzierung weiter zu verringern, um mehr Spielraum für leistungsabhängige Mittel zu schaffen", sagte FU-Vizepräsident Dieter Lenzen, der die Verhandlungen mit den Fachbereichen führte. Die ersten Zielvereinbarungen werden zum Ende des Sommersemesters abgerechnet.

So wollen beispielsweise die Politikwissenschaftler ein Masterstudium für internationale Beziehungen entwickeln. Das Diplomstudium in der Politikwissenschaft, Kernfach dieses Fachbereiches, soll gründlich überarbeitet werden, denn die Studenten schließen erst nach 15 oder mehr Semestern ab. Die Juristen der FU möchten das internationale Recht zum Schwerpunkt ausbauen. Die Erziehungswissenschaftler haben sich das Ziel gestellt, ihr Lehrangebot im Grundstudium zu verbessern. Die Biologen, Chemiker, Pharmazeuten, Philosophen und Geisteswissenschaftler legen ein Mentorenprogramm auf, um ihre Studenten intensiver zu betreuen. Alle Fachbereiche werden sich der Bewertung durch externe Gutachter und Studenten stellen.

Zugleich möchte die Freie Universität mehr Studenten für die Naturwissenschaften werben. Die Dozenten der Mathematik, Physik und Informatik starten deshalb eine Offensive an Gymnasien, um vor allem Mädchen verstärkt anzusprechen. Generell sollen mehr Frauen auf Professuren berufen werden. Selbst in den Erziehungswissenschaften, wo fast drei Viertel junge Frauen studieren und zahlreiche Dozentinnen die Lehre unterstützen, sind Professorinnen noch immer die Ausnahme. Auf fünf Jahre befristete Professuren sollen helfen, diesen Mangel zu beseitigen.

In der Forschung planen die Philosophen und Geisteswissenschaftler ein interdisziplinäres Zentrum zur Kunstwissenschaft und Ästhetik. Die Naturwissenschaftler und Mathematiker der FU haben sich vorgenommen, eine schlagkräftige Forschergruppe zur Bioinformatik aufzubauen. Mathematiker und Informatiker wollen bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft einen Antrag auf einen Sonderforschungsbereich zur wissenschaftlichen Datenverarbeitung stellen. Die Physiker werden sich am neuen Sonderforschungsbereich "Protein-Cofaktor-Wechselwirkung" beteiligen. Die Politik- und Sozialwissenschaftler bauen derzeit ein Zentrum für Machbarkeitsstudien auf, um in das Geschäft mit der Politikberatung einzusteigen.

Bis zum Sommer sollen alle Fachbereiche an der leistungsabhängigen Mittelvergabe teilnehmen. Bibliotheken und Informationszentren, die stark von Fremdnutzern frequentiert werden, führen in Kürze eigene Gebührenordnungen ein. Die gesamte Verwaltung wird sich künftig modernster elektronischer Technologien bedienen. In einem ersten Pilotprojekt will der zahlenmäßig sehr große Fachbereich Wirtschaftswissenschaften seine Verwaltung verschlanken, weitere folgen.

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