Gesundheit : Mehr Luft

Jede Minute machen wir acht bis 40 Atemzüge. Wie man dafür sorgt, dass man nicht aus der Puste kommt

Paul Janositz

Tief einatmen, zur Ruhe kommen. Der Brustkorb hebt sich, die Lunge wird weit. Wohlig strömt der Atem tief in den Bauch und wieder heraus. Der Körper fühlt sich energiegeladen an. Und tatsächlich ist Atmen die erste Stufe eines Energie erzeugenden Prozesses. Über die Lunge gelangt Sauerstoff in den Blutkreislauf und ermöglicht den Körperzellen das Funktionieren. Im Gegenzug wird Kohlendioxid, das Abfallprodukt des Stoffwechsels, abtransportiert.

Ohne zu essen kann man es ein paar Wochen aushalten, ohne zu trinken ein paar Tage. Ohne zu atmen sterben wir schon nach wenigen Minuten.

Nicht genügend Luft zu bekommen, etwa bei schweren Asthmaanfällen, ruft Todesangst hervor. Gierig schnappen wir nach Luft, wenn die Zufuhr kurz unterbrochen war. Plötzlich zeigt sich, wie wichtig der Sauerstoff ist, den wir normalerweise automatisch mit jedem Atemzug durch Nase oder Mund über Rachen, Kehlkopf und Luftröhre in die Lunge saugen (siehe Grafik rechts) .

Das Wegenetz für den Sauerstofftransport bilden die Bronchien, die in Höhe des vierten bis fünften Brustwirbels von der Luftröhre in den rechten und linken Lungenflügel abzweigen. Dort verästeln sie sich weiter zu immer feineren Bronchien und „Bronchiolen“.

Diese mikroskopisch kleinen Atemwege münden in traubenförmig angelegte Lungenbläschen, die Alveolen. Der Mensch hat rund 300 Millionen von ihnen, ihre Oberfläche ist zusammengenommen so groß wie ein Fußballfeld. Somit ist genug Platz für den lebenswichtigen Gasaustausch vorhanden. Dabei gelangt der Sauerstoff aus den Lungenbläschen in umliegende, winzige Blutgefäße, wo er am roten Blutfarbstoff, dem Hämoglobin, andockt. So können die roten Blutkörperchen den Sauerstoff sozusagen huckepack zu allen Geweben und Zellen im Körper transportieren.

Je mehr Energie der Körper braucht, desto schneller und kräftiger wird die Atmung. Das pro Atemzug aufgenommene Luftvolumen kann von einem halben Liter auf das Mehrfache steigen. Bei schwerer körperlicher Anstrengung erhöht sich auch die Frequenz der minütlichen Atemzüge von acht bis zehn auf bis zu 40. Etwa 10000 bis 15000 Liter Luft werden so täglich von der Lunge verarbeitet. Und damit kein „Sand ins Getriebe“ kommt, sind die Atemwege mit Schleimhaut ausgekleidet. Der klebrige Überzug kann eingeatmete Stoffe wie Staub, Ruß oder Pollen festhalten. Auf der Oberfläche der Schleimhaut sitzende Flimmerhärchen bewegen sich wie Ähren im Wind und transportieren durch ihr rhythmisches Schlagen das Sekret in den Rachen, wo es abgehustet werden kann.

Diese effektive Kehrmaschine kann geschädigt werden. „Vor allem durch Rauchen“, sagt Hartmut Lode, Chefarzt der Abteilung für Pulmologie am Krankenhaus Berlin-Zehlendorf. Bereits eine einzige Zigarette lähmt die Flimmerhärchen. Starkes Rauchen lässt sie schließlich zu nutzlosen Stummeln werden. Die Oberfläche der Schleimhaut wird flach und fest, eine Veränderung, die das Risiko für Lungenkrebs erhöht. An dieser Krankheit sterben in Deutschland rund 40000 Menschen pro Jahr. Neun von zehn haben geraucht. Ebenso hoch ist der Anteil der Raucher an den Fällen chronischer Bronchitis. Bei dieser Krankheit sind ebenfalls die Flimmerhärchen zerstört, die Lunge produziert viel Schleim. Die Schleimhäute verdicken sich, die Luftwege werden verengt. Im Anfangsstadium können sich die Symptome aber wieder zurückbilden – wenn das Rauchen eingestellt wird. Kein Wunder, dass Lungenärzte stereotyp den Rauchstopp fordern, wenn sie gefragt werden, was man den Atemwegen Gutes tun könne.

Es gibt aber auch andere Schadstoffe, vor denen man sich hüten sollte. Asbest etwa oder künstliche Mineralfasern, aus denen Dämm- und Isolierstoffe hergestellt sind. Auch das Ozon des Sommersmogs oder Autoabgase sowie Dieselruß können die Atemwege angreifen. Allergiker sollten Blüten- oder Gräserpollen nach Möglichkeit meiden, zumal sich die Beschwerden der oberen Atemwege wie Heuschnupfen nicht selten „per Etagenwechsel“ in den unteren Atemtrakt verlagern und zu Asthma ausweiten. Bei dieser Krankheit reagiert die Schleimhaut überempfindlich auf Allergene wie etwa Pollen, oft aber auch auf unspezifische Reize wie körperliche Anstrengung oder Luftverschmutzung. Es kommt zu Atemnot, Kurzatmigkeit und Husten. Um es nicht so weit kommen zu lassen, empfiehlt der Lungenarzt Lode die Hyposensibilisierung. Dabei bekommt der Patient genau die Substanz in ansteigender Dosierung unter die Haut gespritzt, gegen die er empfindlich ist. Der Körper soll sich so an das Allergen gewöhnen – und die Lunge erst gar nicht gereizt werden.

Hiermit endet unsere Organserie. Auf der Gesundheitsseite am Montag aber werden wir das Thema weiterhin regelmäßig aufgreifen.

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