Gesundheit : Mehr Spitze in der Breite

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Was sich bereits beim internationalen Schulvergleich Pisa herauskristallisiert hat, bringt der Ländervergleich der Schulen (Pisa E) auf den Punkt: Das deutsche Bildungssystem versagt, wenn es um die Integration und Förderung von Kindern aus Zuwandererfamilien geht. Auch wenn sich die Bundesländer deutlich unterscheiden, wird doch erschreckend klar: Was jetzt zählt, ist nicht nur „mehr Leistung“, sondern „mehr Leistung für alle“. Kinder, die schlecht oder gar nicht Deutsch sprechen, die keinen „Bildungshintergrund“ haben – sie müssen gefördert und eingebunden werden.

Im Schatten von Pisa E gibt es jedoch schon Schulen, die sich mit viel Engagement erfolgreiche Integrationskonzepte erarbeitet haben. An der Berliner Spreewald-Grundschule im Problemkiez rund um den Schöneberger „Sozialpalast“ bekommen die abstrakten Pisa-Ergebnisse Gesichter: Fast nur Kinder aus Zuwandererfamilien lernen hier, Eltern deutscher Kinder schlugen bisher einen weiten Bogen um die Schule. Seit Direktor Erhard Laube vor zwei Jahren die Schule übernommen hat, setzt er alles daran, diesen Trend umzudrehen. In gemischten Klassen lernen und spielen die Schüler zusammen Theater, treten vor Publikum auf. Die Bilanz ist positiv: „Die Kinder lernen frei zu sprechen, lesen, werden selbständiger und lernen viel leichter und motivierter Deutsch.“ So gelingt der schulische Erfolg, entsteht mancher „Problemfall“ erst gar nicht – und mehr Eltern deutscher Herkunft melden ihre Kinder wieder an der Spreewald-Grundschule an; denn Direktor Laube weiß: „Ohne deutsche Schüler gibt es keine Integration“.

Diese Musterschule wählte der bildungspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Reinhard Loske, um seine Vorschläge vorzustellen: „Wir wollen nicht Leistung durch Selektion, sondern Chancengleichheit für alle.“ Gemeinsame „Zielvereinbarungen“ auf Landesebene sollen gleiche Qualität bei den Schulen gewährleisten, gleichzeitig müsse aber deren Autonomie gestärkt werden, um eigene Profile zu bilden. Damit spricht sich Loske gegen bundesweite Tests und das Zentralabitur aus. Wichtig sei es stattdessen, die Lehrer im Studium mehr auf „kulturelle Differenzen“ zu schulen. Wie das Vorbild Finnland will Loske gleichzeitig Spitzen- und Breitenförderung anstreben, damit Deutschland nicht Weltmeister der sozialen Exklusion wird. jvm

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