Gesundheit : Mehr Zeit, mehr Geld

Nafög-Doktorandenstipendien sollen besser werden

Anja Kühne

In nur zwei Jahren zur Promotion? „Achten Sie auf Ihre Zeitpläne, meiden Sie ausufernde Fragestellungen und versuchen Sie nicht, die ganze Welt mit ihrer Arbeit zu bewegen.“ Das riet Gerhard de Haan, der neue Vorsitzende der Nafög-Kommission, den 109 Berliner Doktoranden, die in diesem Jahr in das Stipendienprogramm des Berliner Senats (Nafög) aufgenommen wurden bei einer Feierstunde im Audimax der FU.

In nur zwei Jahren zur Promotion – de Haan, Professor für Erziehungswissenschaften an der Freien Universität, weiß, dass das kaum jemand schafft. Eine Evaluierung des Programms hat im letzten Jahr gezeigt, dass lediglich drei Prozent der Stipendiaten die Promotion nach zwei Jahren Nafög-Förderung abschlossen. Im Durchschnitt vergingen vom Examen bis zur Promotion aber fünf Jahre.

Um die Förderung der Realität anzupassen, sollen die Nafög-Stipendien vom nächsten Sommersemester an für drei Jahre gewährt werden. Bislang mussten die Doktoranden dafür einen Antrag auf Verlängerung stellen. Sollte der Senat nicht bereit sein, mehr in die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses zu investieren, könnten dann aber nur noch um die 35 Doktoranden im Semester neu in das Programm aufgenommen werden, und nicht wie bislang um die 50. Etwa drei Mal so viele Bewerber aus allen Disziplinen bewerben sich jedesmal. Die Erfolgsquote des Programms ist hoch: 76 Prozent der Stipendiaten erreichen der Evaluierung zufolge das Ziel.

De Haan will sich auch dafür engagieren, dass die Stipendiaten in Zukunft mehr Geld bekommen. Jetzt sind es im Monat 620 Euro plus etwa 100 Euro für Sachkosten. 1000 Euro hält de Haan für angemessen. Immerhin steht das Nafög-Programm in Zukunft auf so sicheren Beinen wie nie zuvor in seiner 18-jährigen Geschichte, wie de Haans Vorgänger, der Politologe Peter Steinbach sagte. Jahrelang waren die Nafög-Mittel von den zahlreichen Haushaltssperren des Berliner Senats bedroht – und auch die jetzige Vergaberunde war nur möglich, weil die Unis Rücklagen gebildet haben. In Zukunft werden die Mittel jedoch über die Hochschulverträge im Haushalt der FU verankert. So wird sich die Lage ab dem kommenden Jahr stabilisieren.

Peter Steinbach, der sich jahrelang als Vorsitzender der universitätsübergreifenden Vergabekommission für die Stipendien engagiert hatte, wurde bei der Feier verabschiedet. Er hat einen Ruf an die Uni Karlsruhe angenommen.

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