Gesundheit : Meteoriten: Der Stein lebt

Thomas De Padova

Im August 1996 warteten Forscher der US-Weltraumbehörde Nasa mit einem spektakulären Fund auf. Sie hatten in der Antarktis einen Meteoriten aufgelesen, der vom Mars zur Erde gelangt war. Im Innern der Marskartoffel roch es nach steinalten Bakterien, Zeugen einstigen Lebens auf unserem Nachbarplaneten. Die Wissenschaftler hatten Karbonatkügelchen in dem Meteoriten entdeckt, an deren Rändern kleine Ovoiden saßen. Diese Mikrofossilien ähnelten den Überresten von Bakterien, waren aber kleiner als alle bekannten Organismen.

Die Mär vom Leben auf dem Mars machte einmal mehr die Runde und gab den Marsraketen der Nasa noch kräftig Schub, als der Meteorit längst bröckelte. Inzwischen ist der Stein namens ALH 84001 in Vergessenheit geraten. Allein die Vorstellung, dass Meteoriten das mikrobielle Leben von anderen Orten im All zur Erde gebracht haben könnten, bleibt populär. Wer hätte nicht gerne Großmütter und Vettern in der Ferne?

Was fehlt, sind neue Indizien. Und nur so ist es wohl zu erklären, dass amerikanische Geobiologen die alte Marskartoffel jetzt noch einmal ausgebuddelt haben. Im Wissenschaftsmagazin "Science" schauen sie erneut in des Steines graues Innerstes.

Dort regt sich zwar immer noch nichts. Aber ihre knifflige Magnetfeldmessung verrät, dass der Meteorit im Laufe seines langen Daseins stets kalt genug war, um die vermeintlichen Mikroorganismen bei einem interplanetaren Flug zu konservieren. Die Temperatur habe 40 Grad Celsius nie erreicht - auch nicht während der heißen Phase, als der Meteorit in die Erdatmosphäre eintauchte. Hat ALH 84001 also doch außerirdisches Leben zur Erde gebracht?

Das ist zwar nach wie vor unwahrscheinlich. Aber zumindest der Stein ist auferstanden, und die Nasa-Forscher können sich erleichtert zurücklehnen. Bei einer Temperatur von 40 Grad oder mehr hätten nicht nur die ominösen Bakterien, sondern auch sie Fieber bekommen.

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