Michael Kleine : "Keine Gefahr für Mensch, Tier und Umwelt" -

Dr. Michael Kleine ist Dozent am Institut für Pflanzenbau und Pfanzenzüchtung der Uni Kiel. Der 40-Jährige forscht zur pflanzlichen Gentechnologie.

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Dr. Michael Kleine ist Dozent am Institut für Pflanzenbau und Pfanzenzüchtung der Uni Kiel. Der 40-Jährige forscht zur pflanzlichen Gentechnologie.

Können sich die Wissenschaftler nach dem derzeitigen Stand der Forschung mit Sicherheit dafür verbürgen, dass von genmanipuliertem Raps keine Gefahren ausgehen?

Bei dem Merkmal, das in der gentechnisch veränderten Rapssorte, die nun hier in geringen Mengen in den Anbau gelangt sein soll, vorhanden ist, handelt es sich in erster Linie um die Herbizidresistenz. Diese Eigenschaft ist seit vielen Jahren in genehmigten Feldversuchen - auch in Deutschland - untersucht worden. In Kanada, USA und Japan ist diese gentechnisch veränderte Rapssorte zugelassen und wird seit mehreren Jahren erfolgreich kommerziell angebaut. Somit kann nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft gesagt werden, dass diese Eigenschaft keine Gefahr für Mensch, Tier und Umwelt darstellt.

Herr Kleine, welcher ist der größte anzunehmende Unfall, der mit verändertem Raps passieren kann?

Gentechnisch veränderte Kulturpflanzen werden in langjährigen experimentellen Phasen untersucht. Dabei wird jede Eigenschaft - jedes neu eingeführte Gen - explizit geprüft. Es ist schwer vorstellbar, dass es überhaupt einen Unfall in diesem Sinne geben kann.

Worin unterscheidet sich natürlicher von unnatürlichem Raps?

Auch gentechnisch veränderter Raps ist kein "unnatürlicher" Raps, sondern besitzt die gleichen Eigenschaften wie herkömmlicher Raps mit der Ausnahme von ein bis mehreren Genen, die zusätzlich eingeführt worden sind, um dem Pflanzenzüchter, dem Landwirt und dem Konsumenten zusätzlichen Nutzen zu bringen.

Ist es aus Ihrer Sicht richtig, dass genveränderter Raps in der EU nicht zugelassen ist?

Ein einheitliches Zulassungsverfahren für gentechnisch veränderte Kulturpflanzen in der EU halte ich für richtig und notwendig. Allerdings hat die Verzögerung der Zulassungsverfahren, wie sie zur Zeit von der EU praktiziert wird, einschneidende Auswirkungen auf die Pflanzenzüchtung in der EU. Damit werden zukunftsweisende Investitionen aufgrund von nicht erteilten Genehmigungen zunichte gemacht.

Welche anderen Planzen könnten in ihrer Struktur durch genveränderten Raps bedroht werden?

Beim Raps besteht die Möglichkeit der Übertragung des neu eingeführten Gens über den Pollen auf verwandte Wildarten des Rapses. Diese Übertragung stellt aber keine Bedrohung für Wildpflanzen und deren Ökosystem dar.

Welche Erfahrungen wurden bisher mit den gängigen Sorten veränderten Rapses gesammelt?

1999 betrug der Anteil von zugelassenen gentechnisch veränderten Rapssorten am gesamten Rapsanbau weltweit knapp zehn Prozent, wobei in Ländern wie Kanada bereits mehr als zwei Drittel des angebauten Rapses gentechnisch verändert sind. Diese Entwicklung, die in den vergangenen Jahren in den außereuropäischen Ländern sehr dynamisch verlief, zeigt die wichtige Bedeutung von gentechnisch veränderten Nutzpflanzen in der landwirtschaftlichen Produktion.

Wie kann der Spaziergänger normalen von nicht-normalem Raps unterscheiden?

Ein Spaziergänger könnte eine Unterscheidung nur auf dem Versuchsfeld wahrnehmen. Im Falle der Herbizidresistenz würde sich der gentechnisch veränderte Raps nach Behandlung mit dem entsprechenden Herbizid normal weiter entwickeln, während der nicht veränderte Raps danach absterben würde.


Das Interview führte Reinhart Bünger.

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