Gesundheit : Mifegyne ist jetzt doch in Kürze erhältlich

Die Auslieferung der umstrittenen Abtreibungspille Mifegyne in Deutschland steht offenbar unmittelbar bevor. Ein Sprecher des Pharma-Unternehmens Femagen im oberbayerischen Holzkirchen teilte am Mittwoch auf Anfrage mit, derzeit würden die letzten Details ausgearbeitet. Die noch offenen Fragen würden "in Kürze" gelöst sein. Die ursprünglich für Montag geplante erste Auslieferung in der Bundesrepublik war zunächst am Vertriebsweg gescheitert.

Die zur Hexal-Gruppe gehörende Firma Femagen hat laut Bundesgesundheitsministerium die Erlaubnis, die Pille aus Frankreich zu beziehen und direkt in Deutschland zu vertreiben. Femagen hatte jedoch geplant, Mifegyne über die Hexal-Tochter Salutas Pharma GmbH in Barleben bei Magdeburg (Sachsen-Anhalt) auszuliefern. Das Arzneimittelgesetz verlangt allerdings einen Direktvertrieb.

Femagen-Chefin Schoettler sagte, man arbeite an einer Lösung. Als eine der denkbaren Varianten gilt eine "Einverleibung" der Salutas durch Femagen. Allerdings würde sich dadurch die Markteinführung von Mifegyne weiter verzögern, weil eine Umfirmierung der Salutas GmbH erst mit Eintragung ins Handelsregister rechtswirksam würde. Außerdem müsste dann nach Angaben des Ministeriumssprechers für die Auslieferung von Mifegyne ein neuer Antrag gestellt werden.

Ein Sprecher des sachsen-anhaltinischen Sozialministeriums sagte am Mittwoch, sollte Femagen in Barleben eine Tochter gründen, sei Bayern für die Auslieferungsgenehmigung zuständig, da der Hauptsitz in Holzkirchen liege. Er betonte, sein Ministerium befürworte den Vertrieb von Mifegyne in Deutschland. Das Medikament sollte so schnell wie möglich auf den Markt kommen. Sowohl Magdeburg als auch Bayern sehen keine Schwierigkeiten mehr für den Vertrieb, wenn Femagen direkt ausliefert.

Nach rechtlichen Bedenken Bayerns gegen den Import des Mittels aus Frankreich hatte Femagen die Markteinführung vorerst ausgesetzt. Allerdings lägen ohnehin noch keine Bestellungen vor, hieß es bei der Firma. Das Bundesgesundheitsministerium hatte, wie berichtet, am Dienstag die Bedenken Bayerns als unzutreffend zurückgewiesen. Das Berliner Bundesinstitut für Arzneimittel hatte Mifegyne im Juli zugelassen.

Das Mittel soll nicht in Apotheken frei erhältlich sein und auch nicht in den Arznei-Großhandel kommen, sondern direkt an Kliniken und Ärzte geliefert werden. Damit soll der Missbrauch weitgehend verhindert werden. Befürworter halten eine Abtreibung mit Mifegyne für schonender als die herkömmlichen chirurgischen Eingriffe.

Gegner der Abtreibungspille warnen davor, das Mittel zu verharmlosen. In anderen Ländern wie Frankreich, Großbritannien und Schweden ist das Mittel schon seit Jahren auf dem Markt. Die Erfahrungen seien positiv, heißt es dort.

An der umstrittenen Abtreibungspille haben unterdessen schon rund 300 Ärzte und Kliniken in Deutschland Interesse angemeldet. Das teilte der Zulassungsinhaber Femagen am Mittwoch mit. Die Ärzte und Kliniken hätten sich bei dem Unternehmen als bezugsberechtigt gemäß den Bestimmungen des Schwangerschaftskonfliktgesetzes registrieren lassen, sagte Geschäftsführerin Schoettler.

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