Gesundheit : Milliarden für Stammzellen? Kalifornien soll Zentrum der Forschung werden

Hartmut Wewetzer

Am 2. November wählen die Amerikaner einen neuen Präsidenten. Aber nicht nur das. An diesem Tag stimmen die Bürger des US-Bundesstaats Kalifornien auch darüber ab, ob sie ihren Staat zum Zentrum der globalen Stammzellforschung machen wollen. Das ist das Ziel einer Initiative von Hollywood-Größen, Wissenschaftlern, Geschäftsleuten, Patientenorganisationen und Wirtschaftsverbänden.

„Proposition 71“ (Vorschlag 71) sieht vor, die Stammzellforschung in Kalifornien in den nächsten zehn Jahren mit drei Milliarden Dollar zu fördern. Das ist ein Vielfaches der derzeitigen Fördersummen. Außerdem soll in Kalifornien ein Institut für regenerative Medizin errichtet werden, das das Geld an Antragsteller verteilen soll. Und in der Verfassung des Staates soll das Recht verbrieft werden, embryonale Stammzellen herzustellen – auch solche mit Hilfe des Zellkerntransfers, hierzulande als therapeutisches oder Forschungsklonen bekannt.

Für die Unterstützer des Vorschlags sind embryonale Stammzellen eine wichtige Quelle für Ersatzgewebe, mit dessen Hilfe Diabetes und Dutzende andere Leiden behandelt werden sollen. Zu den Befürwortern gehören neben 22 Nobelpreisträgern der Microsoft-Gründer Bill Gates, Ebay-Pionier Pierre Omidyar, der an Parkinson erkrankte Schauspieler Michael Fox und der querschnittsgelähmte „Superman“-Darsteller Christopher Reeve. Noch nicht öffentlich geäußert hat sich ein weiterer Schauspieler: Arnold Schwarzenegger, „Terminator“-Darsteller, Republikaner und mittlerweile Gouverneur von Kalifornien. Sein Wort könnte Gewicht haben, da Befürworter und Gegner des Stammzell-Förderprogramms nach den bisherigen Umfragen Kopf an Kopf liegen.

Die Pläne der kalifornischen Forschungsfreunde sind ein Schlag ins Gesicht von US-Präsident George Bush. In Interviews mit den Wissenschaftsmagazinen „Nature“ und „Science“ hat Bush noch einmal seine Position verteidigt: Keine staatliche Förderung für die Herstellung von embryonalen Stammzellen, weil dazu frühe menschliche Embryonen zerstört werden müssen. Sein Herausforderer John Kerry hat dagegen klar gemacht, dass er die Einschränkungen für die staatlich finanzierte Stammzell-Forschung aufheben will, sobald er Präsident ist. Jetzt muss der Wähler entscheiden.

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