Gesundheit : Mit allem rechnen

Wie kann man rechtzeitig vor Katastrophen warnen? In Bonn berieten Experten

Roland Knauer

Der Rhein hatte kein Hochwasser. Dennoch war in Bonn drei Tage lang viel von Katastrophen die Rede. 1200 Experten diskutierten auf der am Mittwoch beendeten internationalen Konferenz über die Frühwarnung vor Naturkatastrophen. Etwa über ein Warnsystem vor Tsunamis, in das Deutschland 45 Millionen Euro investiert. Die Gesamtkosten betragen mehr als 100 Millionen Euro.

„Zuerst muss die Quelle einer solchen Riesenwelle ermittelt werden“, sagt Jörn Lauterjung vom Geoforschungszentrum (GFZ) in Potsdam, der den deutschen Teil des Tsunami-Warnsystems koordiniert. In 80 Prozent der Fälle ist das ein Seebeben, das derzeit weltweit von mehr als 100 Messstationen automatisch lokalisiert werden kann. Aus den Zeitpunkten, an denen eine Erdbebenschwingung an verschiedenen Stationen eintrifft, lässt sich das Zentrum des Bebens berechnen.

Da Erdbebenwellen allerdings einige Zeit brauchen, bis sie entfernte Stationen in Japan, den USA oder in Deutschland erreichen, funktioniert diese Erdbebenwarnung schneller, wenn Stationen möglichst nahe am Herd eines Bebens messen. So hat das GFZ neue Messstationen auf der Insel Nias vor Sumatra, auf Sumatra selbst und zwei Stationen auf der Insel Java installiert. Japanische Forscher haben fünf weitere Stationen aufgebaut. Während das Potsdamer GFZ beim Tsunami vom 26. Dezember 2004, der in Südasien mehr als 200 000 Menschen das Leben kostete, erst etwa 13 Minuten nach dem Beben die erste Warnung schicken konnte, geht es mit den neuen Messstationen in acht Minuten. Mit weiteren Stationen sollen sich nach Wunsch der indonesischen Regierung künftig Ort und Stärke des Bebens bereits nach zwei Minuten schätzen lassen.

Riesenwellen werden ausgelöst, wenn sich Erdplatten am Meeresgrund ruckartig nach oben oder unten bewegen. Deshalb messen die deutschen Forscher mit Bojen auf dem Meer und mit dem Satellitenortungssystem GPS die Wellenbewegung direkt und übermitteln sie mit Funksignalen via Satellit an eine Zentrale. Unter der Boje ist ein Sensor am Meeresgrund verankert, der den Druck misst, den die Wellen dort unten auslösen. Daraus lässt sich die Höhe der Riesenwellen ausrechnen.

Zwei solcher Systeme aus Bojen und Drucksensoren am Meeresgrund wurden nun vor der Insel Sumatra im Indischen Ozean verankert. Künftig sollen die Messdaten in eine Warnzentrale in Jakarta gelangen, die in Deutschland entwickelt wird. Dort soll ein Rechner lange vor einem Beben ermitteln, wie sich die Wellen an verschiedenen Abschnitten der Küste verhalten, welche Unterwasserberge die Wellen in welche Richtungen lenken oder sie gar konzentrieren. Im Ernstfall muss das Programm dann nur entscheiden, zu welchem Szenario die Situation am besten passt. So können die am meisten gefährdeten Küstenabschnitte gewarnt werden.

Dieses System kann in wenigen Minuten warnen. Das kann wichtig sein, schließlich brachten an Weihnachten 2004 die bis zu 30 Meter hohen Wellen schon 20 Minuten nach dem Beben Tod und Verwüstung. Bei Naturkatastrophen wie etwa Hochwasser hat man mehr Zeit und kann auf weniger aufwändige Varianten vertrauen.

Über Mosambik etwa ziehen regelmäßig tropische Wirbelstürme. Sintflutartige Regenfälle lassen die großen Flüsse wie den Buzi übers Ufer treten. Im Jahr 2000 wurden so mehr als eine halbe Million Menschen obdachlos, Hunderte starben. Während in Europa die Pegel der Flüsse sowie der Niederschlag automatisch registriert und so Hochwasser rechtzeitig vorhergesagt werden kann, fehlen in Mosambik für ein solches Warnsystem Geld und Technik.

Experten wie Wolfgang Stiebens von der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) setzen daher auf die Menschen (siehe Infokasten). 200 000 Euro stecken die Deutschen jedes Jahr in ein Warnsystem, das nach einfachen Prinzipien funktioniert. Laut Bill Clinton könnten so zwei Millionen Euro Schäden vermieden werden. Denn jeder Dollar für Frühwarnsysteme und Schutzmaßnahmen spare sieben bis zehn Dollar bei der Behebung von Schäden, sagte der frühere US-Präsident auf der Konferenz.

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