Gesundheit : Mit dem Blick aus dem All irdische Probleme betrachten

Heiko Schwarzburger

Gleich drei deutsche "Stars" steigen demnächst zum Himmel auf: Mit Envisat, Grace und Bird sollen in den kommenden Monaten mehrere Satelliten im Orbit kreisen, um die weltallgestützte Umweltforschung voranzutreiben. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) kündigte zudem weitreichende Forschungen für Verkehrsflugzeuge und zu Wetterphänomenen wie Tornados an.

Mit dem Satelliten Envisat wird Anfang März das bislang ehrgeizigste Vorhaben der Europäer in der Umweltforschung starten. Mehr als eine Milliarde Euro kostete der neue Satellit, der zehn hochsensible Instrumente tragen wird. Sie sollen die Vorgaben aus dem Kyoto-Protokoll überwachen. Sein Herzstück ist der deutsch-holländische Sensor Sciamachy, mit dessen Hilfe die Forscher den Veränderungen der Atmosphäre und des Klimas auf die Spur kommen wollen. Der Satellit sammelt Daten über Treibhausgase und zur Ozonchemie. Solche aus dem Orbit gewonnenen Informationen über die Erdatmosphäre galten bisher als wohlgehütete Domäne der Nasa. "Mit Envisat machen wir uns von den Amerikanern unabhängig", sagte Achim Bachem, Chefmanager für Raumfahrt des DLR. "Der Satellit ermöglicht uns völlig neue Erkenntnisse, an denen die amerikanischen Forscher natürlich ebenso interessiert sind wie wir."

Envisat soll am ersten März vom Kourou-Atoll in Französisch-Guayana mit der Trägerrakete Ariane 5 abheben und danach auf eine Umlaufbahn in rund 800 Kilometern Höhe aufsteigen. Dort wird die fliegende Messstation fünf Jahre lang kreisen und ihre Daten an die Bodenstationen senden. Beim letzten Start der Ariane 5 hatte es erhebliche Probleme gegeben, weil Wasser in die Triebwerke eingedrungen war. "Der nächste Start der Ariane ist so gut vorbereitet, dass wir keine Probleme erwarten", ist Achim Bachem überzeugt.

Bird beobachtet Waldbrände

Ebenfalls Anfang März sollen die Grace-Zwillingssatelliten vom Startplatz in Plesetzk im nördlichen Russland aus abheben. Grace entstand im Auftrag der Nasa, die erstmals einen größeren Forschungssatelliten in Europa bauen ließ. Die Mission der Grace-Satelliten wird vom Geoforschungszentrum Potsdam geleitet. Sie soll ein genaueres Bild vom Erdschwerefeld liefern, sowie Daten über den Einfluss der Meeresströmungen auf das Wetter.

Bereits seit einigen Monaten im Einsatz ist der Satellit Bird des DLR. Er wurde im DLR-Institut für Weltraumsensorik und Planetenerkundung in Berlin-Adlershof entworfen und gebaut. Der mit Elektronik vollgestopfte Würfel mit einer Kantenlänge von weniger als einem Meter wiegt nur 90 Kilogramm. Ende Oktober des vergangenen Jahres war er reibungslos mit einer indischen Trägerrakete gestartet und richtet seine Sensoren seitdem vor allem auf Vulkane und Waldbrände, so genannte "Hot Spots" auf der Erdoberfläche. Seine erste Feuertaufe bestand Bird, als er beeindruckende Bilder von den Buschbränden um Sydney lieferte. Er kann sogar die Temperatur in der Flammenfront messen.

Messen im Auge des Hurrikans

Das DLR unterhält die größte zivile Flotte für Forschungsflugzeuge in Europa. Ihre Piloten werden auch in diesem Jahr alle Hände voll zu tun haben. Mit Kollegen von der Nasa fliegt ein DLR-Forschungsflugzeug, die "Falcon", im Mai bis in das Innere von Tornados. Die Wirbelstürme wüten vornehmlich über der Karibik, den südlichen und mittleren Bundesstaaten der USA. In den vergangenen Jahren beobachteten die Meteorologen, dass deren Wucht und damit das Ausmaß der Verwüstungen wachsen. Die Flüge der "Falcon" sollen helfen, die Entstehung und Wanderung der verheerenden Stürme besser zu verstehen. Bereits im März wird die "Falcon" über Spitzbergen kreisen, um Informationen über den Einfluss von Wasser und Eis auf die physikalischen Vorgänge in der unteren Atmosphäre zu gewinnen.

Der Technologieträger "Attas", eine Fokker 614 mit hochwertiger Sensorik an Bord, widmet sich Mitte des Jahres unter anderem den in der Luftfahrt gefürchteten "Wirbelschleppen". Große Flugzeuge mit ausladenden Tragflächen ziehen gefährliche Wirbel hinter sich her, die kleinere Flieger leicht in Turbulenzen bringen können. Die Daten von "Attas" sollen den Ingenieuren helfen, diese "Wirbelschleppen" durch konstruktive Veränderungen an den Flugzeugen zu verringern oder zu vermeiden. Dadurch lassen sich die Sicherheitsabstände bei den Starts und der Landung verringern.

Auch eine wichtige Personalie wurde vermeldet: Ab März wird Siegfried Wittig, bislang Rektor der Universität Karlsruhe, das deutsche Raumfahrtzentrum führen. Der bisherige DLR-Chef Walter Kröll wechselt an die Spitze der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Großforschungszentren.

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