Gesundheit : Mit dem Segen des Rabbis

Das Touro-College will jüdisches Leben in Berlin erneuern

Hannah Lobel

Der amerikanische Rabbiner drückt das kleine, silberne Futteral, das Verse der Torah enthält, gegen den Türrahmen. Sein deutscher Kollege nagelt es mit einigen Hammerschlägen fest. „Mazel Tov“- und „Viel Erfolg“-Rufe begleiten die Zeremonie, die die Gründung der ersten amerikanisch-jüdischen Universität in Deutschland mit der Befestigung der „Mezuzah“ zum Türpfosten besiegelt. „Wenn man ein neues Haus einzieht, bringt man eine Mezuzah an. Dies ist unser neues Heim“, erklärt der amerikanische Rabbiner und Begründer des in der Straße am Rupenhorn in Charlottenburg gelegenen Touro Colleges, der 88-jährige Bernard Lander.

Amerikanischer Abschluss

Rabbiner Lander war jetzt in Berlin, um dem von ihm geschaffenen weltweiten Netz von Touro-Colleges ein weiteres hinzuzufügen. Nach dem 1970 in New York gegründeten College eröffneten weitere in Kalifornien, Jerusalem und Moskau. Jetzt nahm die Charlottenburger Hochschule mit 18 Studenten den Lehrbetrieb in Betriebswirtschaftslehre auf.

Der englischsprachige Studiengang führt in drei Jahren zum amerikanischen Abschluss „Bachelor of Science in Business, Management and Administration“. Um das Management-Studium zu vervollständigen, müssen die Studenten auch geisteswissenschaftliche Kurse belegen. Dabei liegt der Schwerpunkt auf amerikanischer Kultur. Aber am wichtigsten ist Rabbiner Lander in Berlin das fakultative jüdische Studienprogramm des Touro Colleges. „Wir wollen jüdisches Leben in Berlin reaktivieren“, sagt Rabbiner Lander, dessen Berliner Verwandte 1943 von den Nazis ermordet wurden.

Die Hochschule rechnet mit einem anhaltenden Zustrom von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion. Etwa 70 Prozent der Studenten sind Juden. Der in der Ukraine geboren 22-jährige Renat Fischbach ist vor 15 Jahren nach Berlin gekommen. Durch das Studium am Touro College möchte er seine Entwicklung als Jude fördern und gleichzeitig einen Zugang zur amerikanischen Geschäftswelt bekommen. „Seit der 7. Klasse wollte ich in Amerika leben und arbeiten“, sagt Fischbach. Dafür muss er am Touro College den hohen Preis von 6000 Euro pro Studienjahr bezahlen. Aber für Fischbach ist das „sehr günstig“ im Vergleich zu den Studiengebühren für Bachelor-Programme an privaten Unis in den Vereinigten Saaten. Leistungsstarke Touro-Studenten, die finanzielle Hilfe brauchen, können sich nach einem Semester um ein Stipendium bewerben.

Für andere jüdische Studenten, wie den in Russland geborenen Simon Lubawin, geht es nicht um Religion, sondern um die kleinen Kurse und die persönliche Betreuung durch die Touro-Lehrer. Chen Xi, ein 18-jähriger Student aus China, sagt, er wolle einfach eine amerikanische Hochschule besuchen und einen internationalen Abschluss machen. Xi kommt aus Shanghai und lebt schon seit einem Jahr in Berlin. Für die religiösen Kurse interessiere er sich überhaupt nicht, schließlich sei er kein Jude, sagt er beim koscheren Mittagessen in die Runde seiner neuen Kommilitonen. „Du siehst auch wirklich nicht jüdisch aus“, lacht Lubawin.

Zu Beginn des Studienjahres suchten die Studenten und ihre Lehrer immer noch „ihren gemeinsamen Rhythmus“, sagt der amerikanische Geschäftsmann und Dozent John MacAllen. Den Lehrplan für seinen Kurs „Introduction to American Business“ müsse er jetzt an die sehr unterschiedlichen Hintergründe seiner Studenten anpassen – und auch an ihre Englischkenntnisse. Aber eines sei ihm schon jetzt ganz klar: „Diese Studenten sind sehr eifrig.“

Bauhaus-Architektur saniert

Das Touro College ist noch im Aufbau. Die grundlegende Sanierung des 1929 von Bruno Paul im Bauhaus-Stil errichteten Hauses am Rupenhorn ist aber fast abgeschlossen. Die jüdische Familie, die dort lebte, wurde in der Nazizeit gezwungen, das Haus weit unter Wert zu verkaufen. Heute ist das Haus im Besitz des Landes Berlin. Weil das College Sanierungskosten unternahm, muss es vier Jahre lang keine Miete zahlen. Gründungsdirektorin Sara Nachama glaubt, dass die Hochschule in Zukunft bis zu 250 Studenten haben könnte. Weltweit ist die Zahl der Studenten des Touro Colleges seit 1970 auf 18 000 gewachsen. Und so sagte Rabbiner Lander bei der Eröffnung in Berlin: „Dies ist nur der Anfang.“

Infos im Internet:

www.touroberlin.de

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