Gesundheit : Mit dem Velo-Taxi ins Labor

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Die Berliner Wunderwelt der Wissenschaft wird von merkwürdigen Wesen bevölkert: Im Wedding operiert der Roboter „Otto von der Decke“ Gesichter, in Charlottenburg treibt der marionettenähnliche „String Man“ sein Unwesen und in Adlershof fliegt das Observatorium „Sofia“ umher und betrachtet die Szenerie von oben. Diese und viele andere Sehenswürdigkeiten aus den ungezählten Laboren, Denkstuben, Hör- und Operationssälen der Stadt können Berliner in der Nacht zum kommenden Sonntag bei der „Langen Nacht der Wissenschaften“ besuchen.

Über siebzig Einrichtungen der Stadt und Potsdams öffnen zwischen 17 und ein Uhr ihre Türen. Rund 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stehen bereit, um ihre Spezialgebiete blutigen Laien zu erklären. Daneben läuft ein kulturelles Programm mit Tanz, Musik und Essen. Im vergangenen Jahr, bei der ersten „Langen Nacht der Wissenschaften“ im Rahmen des „Wissenschaftssommers 2001“ zählten die Institute gemeinsam über 70 000 Besuche. Die Einrichtungen müssen die Ausgaben für die Nacht überwiegend selbst tragen. Sponsoren fanden sich bei Stiftungen und Berliner Unternehmen, die Deutsche Klassenlotterie unterstützte das Ereignis mit 250 000 Euro.

Die Wissenschaftler versprechen sich von dem Dialog, dass er dem breiten Publikum in Zeiten knapper Kassen die wichtige Rolle der Wissenschaft für die Region vor Augen führt. Außerdem versuchen sie, junge Leute für Technik und Medizin zu begeistern: „Wir wollen die Jugend packen, damit Deutschland die Zukunft gewinnen kann“, sagte Ingolf Hertel, Sprecher der außeruniversitären Einrichtungen in Berlin-Adlershof, als er am Dienstag gemeinsam mit Berliner Wissenschaftlern das Programm vorstellte.

Jedenfalls verspricht die Veranstaltung eine Art Harry Potter Spezial für die ganze Familie zu werden, eine Walpurgisnacht der entfesselten Forscher mit unzähligen Überraschungen. Wer sich für die fünfte von sechs mit Shuttle-Bus verbundenen Routen entscheidet, die durch Berlin-Mitte und den Wedding führt, kann am Institut für Hochspannungstechnik sehen, was geschieht, wenn sich 200 000 Volt entladen. Route drei führt durch Charlottenburg und lockt mit dem 80 Meter langen Wasserkanal der Technischen Universität: Hier zeigen Forscher, wie sich auf dem Pazifik 20 Meter hohe Tsunami-Wellen auftürmen können. Medizin- und Architekturinteressierte können den schönen alten Campus Buch mit dem Kremser besichtigen. Zwischen den Instituten der Freien Universität in Dahlem „der Gartenuniversität, dem Oxford Berlins“, wie ihr Vizepräsident Dieter Lenzen warb, verkehren 30 Velotaxis. Anja Kühne

Mehr zum Thema im Internet:

www.LangeNachtDerWissenschaften.de

Eintrittskarten zum Preis von zehn Euro (ermäßigt sechs Euro), inklusive Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel und Shuttles an allen bekannten Theaterkassen, den Kundenzentren der S-Bahn und der Urania, telefonisch unter 308 785 685, online unter www.ticketonline.de . In der Nacht selbst gibt es Karten auch in der zentralen Information der Humboldt-Universität, Unter den Linden 6, und den Abendkassen vieler teilnehmender Häuser.

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