Gesundheit : „Mit den Gebühren wird die Qualität der Lehre verbessert“

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Herr Dräger, Sie plädieren für Studiengebühren von bis zu 2500 Euro im Jahr. Was sagen Sie Studenten, um ihnen die Angst vor der Verschuldung zu nehmen?

Ich halte Studiengebühren von bis zu 1000 Euro im Jahr für richtig. Vor zweieinhalb Jahren habe ich in einer Modellrechnung nachgewiesen, dass auch Gebühren von 2500 Euro über ein Darlehenssystem finanzierbar wären, aber das ist eine andere Diskussion. Mit den Gebühren wird die Qualität der Lehre verbessert. Bessere Qualität bedeutet auch ein schnelleres Studium. Außerdem können die Gebühren über ein Darlehen vorfinanziert werden und es soll Stipendien geben.

Bislang steht die soziale Abfederung aber noch nicht. Warum konnte Hamburg am Tag des Gebührenurteils kein fertiges Konzept präsentieren?

Die KfW-Bankengruppe wird am 17. Februar in Berlin ihr Darlehenssystem vorstellen, und ich bin bei dieser Präsentation dabei. Die politische Hygiene hat es geboten, nicht mit einem Modell an die Öffentlichkeit zu gehen, bevor die Karlsruher Richter über das Gebührenverbot entschieden hatten.

So weit das KfW-Angebot bekannt ist, gibt es aber ein Problem: Studiengebühren spielen aus politischer Rücksichtnahme gegenüber der Bundesregierung keine Rolle, die Förderbank will offiziell nur die Lebenshaltungskosten der Studenten abdecken.

Wir brauchen ein Modell mit Gebühren, und ich gehe davon aus, dass sich dies auch im KfW-Modell integrieren lässt.

Ist es nicht unsinnig, bei der Gebührenfinanzierung auf die KfW zu setzen, wenn die Bundesregierung, die das Programm genehmigen muss, strikt gegen Gebühren ist? Zumindest wird sie nicht das Ausfallrisiko auffangen, so dass es dann bei einem Zinssatz von fünf Prozent bleibt.

Ja, ohne eine staatliche Unterstützung des Darlehensprogramm bliebe es wohl bei rund fünf Prozent Zinsen. Die Frage ist jetzt: Welche Bedingungen möchte der Staat den Studenten gewähren? Politisch vernünftig wäre es, wenn der Staat grundsätzlich einen Teil des Risikos mittrüge.

Sie wollen das Bafög abschaffen und allen Studenten Volldarlehen anbieten. Abgesehen davon, dass die Bundesregierung da nicht mitmachen wird: Können Sie es vertreten, Abiturienten aus einkommensschwachen Familien diese Förderung zu nehmen?

Das kann ich so lange vertreten, wie dieser Student hinterher gutes Geld verdient. Denn dann kann er sein Darlehen auch voll zurückzahlen. Wenn er arbeitslos wird oder Kinder erzieht, muss er nichts oder weniger zurückzahlen. Das wird vom Staat aufgefangen, unabhängig davon, aus welchem Elternhaus der Student kommt. Mir geht es grundsätzlich darum, die Verantwortung von den Eltern auf die Absolventen zu verlagern. Für die soziale Abfederung einer großen Reform der Studienfinanzierung wäre es nötig, das Bafög einzubringen. Aber für ein Darlehenssystem zur Gebührenfinanzierung brauchen wir es nicht.

Das Gespräch führte Amory Burchard.

Jörg Dräger (37)

ist Wissenschaftssenator in Hamburg (parteilos). Er studierte in Hamburg und New York Physik, war Unternehmensberater und baute in Hamburg eine Privatuni auf.

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