Gesundheit : Mit Kunst die Krankheit bekämpfen

TOM HEITHOFF

Kunsttherapie ist an Hochschulen kaum verankert / Wird HdK-Lehrangebot eingestellt?VON TOM HEITHOFFSie ist in vielen Kliniken und psycho-sozialen Einrichtungen eine willkommene Therapieform.Die Berliner Ärztekammer bescheinigt ihr großen Nutzen.Auch HdK-Präsident Lothar Romain hält viel von der Kunsttherapie.Seit fast zehn Jahren kann man an der HdK Kurse in Kunsttherapie belegen, allerdings nur als sogenanntes "offenes Lehrangebot".Die Einrichtung eines regulären Studiengangs mit einer eigenen Professur war geplant.Doch nachdem der HdK in den letzten Monaten zusätzlich 16 Millionen Mark gestrichen worden sind, scheint eine Finanzierung unmöglich. Gastdozentin Karin Dannecker organisiert zur Zeit mit vier Lehrbeauftragten Seminare, Kolloquien und Referate.Das Angebot richtet sich an diejenigen, die ihre künstlerischen Fähigkeiten in den Dienst für andere stellen möchten."Kunsttherapeuten arbeiten mit Menschen, deren kommunikative Fähigkeiten gestört sind und die über den Umweg des Malens ausdrücken, was ihnen verbal nicht möglich ist", sagt Karin Dannecker.Obwohl die Erfolge unbestritten sind und immer mehr Kliniken mit Kunsttherapeuten arbeiten, ist die Ausbildung hierzulande immer noch nicht geregelt.Die Bezeichnung Kunsttherapeut ist nicht gesetzlich geschützt, jedes Privatinstitut darf also "Kunsttherapeuten" ausbilden.Nur an zwei Fachhochschulen, in Ottersberg und Nürtingen, läßt sich ein Diplom in Kunsttherapie (mit anthroposophischer Ausrichtung) erwerben.In den Hochschulen ist das Fach bislang kaum verankert.In manchen Diplom-Pädagogikstudiengängen kann man Kunsttherapie als Spezialisierungsfach wählen.Die Kunstakademien in München und Dresden bieten zwar Seminare an, vergeben aber - wie die HdK - kein Diplom.Für Karin Dannecker ist es daher ein überfälliger Schritt, einen offiziell anerkannten Hochschul-Studiengang einzurichten: "Das würde endlich Standards für die Ausbildung setzen." Doch statt dessen droht die Einstellung des Lehrangebots. Zwar wurde bereits vor sechs Jahren eine Diplom-Studienordnung mit Curriculum entwickelt, auch der Akademische Senat hatte grünes Licht gegeben und Kunsttherapie als regulären Ergänzungsstudiengang zugelassen.Doch bis heute ist die Etablierung an der finanzpolitischen Hürde gescheitert.Den Studierenden kann aus Personalmangel kein durchstrukturiertes Lehrprogramm angeboten werden, es gibt weder Aufnahme- noch Abschlußprüfungen, weder Scheine noch ein Diplom.Diese Lehrform wird von den Kliniken nicht als kunsttherapeutische Ausbildung anerkannt. Da die Kunsttherapie dem Fachbereich Bildende Kunst angegliedert ist, hängt ihr Überleben auch vom Willen dieses Fachbereichs ab, denn er entscheidet über die interne Verteilung der knapper gewordenen Mittel.Heike Meves von der "Interessenvertretung zur Erhaltung der Kunsttherapie" glaubt bei den Bildenden Künstlern allerdings eine große Überheblichkeit auszumachen: "Viele Künstler rümpfen die Nase bei dem Gedanken, daß Kunst auch einen praktischen, gesellschaftlichen Nutzen haben soll.Es ist nicht damit zu rechnen, daß sie zugunsten der Kunsttherapie auf etwas verzichten wollen." Das Dekanat Bildende Kunst war gegenüber dem Tagesspiegel nicht zu einer Stellungnahme bereit. Die Interessengemeinschaft zur Erhaltung der Kunsttherapie hat gerade in einem Brief den Bundespräsidenten um Unterstützung gebeten und bemüht sich um Sponsoren.Die Kosten belaufen sich auf etwa 100 000 Mark im Jahr.Sollte die Suche nach Drittmitteln erfolglos bleiben und auch der Fachbereich Bildende Kunst sich nicht ausdrücklich zur Kunsttherapie bekennen, könnte von dem "offenen Lehrangebot" nach dem Wintersemester gar nichts mehr übrig sein.Eine Weiterführung in dieser Form ist unwahrscheinlich, wie HdK-Präsident Lother Romain sagt."Ein Provisorium ist ein Provisorium und nicht auf Dauer angelegt."

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