Gesundheit : Mit Stipendium ins Paradies

Die International University Bremen bietet und verlangt viel

Anna Kröning

Ein Professor für fünf Studenten. Der Campus gleicht einem gepflegten Park. Helle Lehrgebäude und moderne Forschungseinrichtungen. Studieren kann schick sein, sogar in Deutschland. Man muss sich nur die richtige Hochschule aussuchen. Mit der International University Bremen (IUB) hat Deutschland seit einem guten Jahr eine Privathochschule nach angloamerikanischem Vorbild. Anders als an den meisten Privathochschulen werden hier nicht nur Wirtschaftswissenschaften vermittelt. Im Angebot sind 14 geistes- und naturwissenschaftliche Fächer. Wer die Aufnahmeprüfung besteht, bekommt neben dem Lehrprogramm auch das Gefühl vermittelt, zu den Besten zu gehören. Das kostet pro Person 15 000 Euro Studiengebühren im Jahr. Plus 400 Euro monatlich für Unterkunft und Verpflegung.

Aufnahmekriterium sei aber ausschließlich Begabung, beteuerten Vertreter der IUB jetzt bei einer Präsentation in Berlin. Wer das Geld nicht habe, bekomme Unterstützung, etwa durch Stipendien der Bremer Wirtschaft oder von Privatleuten. Ein Drittel der Studierenden bekommen nach Angaben der IUB die volle Förderung. 350 Studierende aus 61 Ländern und 58 Professoren tummeln sich bislang auf dem Campus. Fast die Hälfte der Studierenden kommt aus Osteuropa. Dort sucht die IUB gezielt nach begabten jungen Leuten, nach wissenschaftlichem Nachwuchs auch für Deutschland. Bis 2005 soll die Studentenzahl auf 1200 erhöht werden. Entsteht hier die Elite, die sich Wirtschaft und Politik ersehnen, um die deutsche Bildung wieder vorzeigbar zu machen?

Eine Eliteschmiede – genau das will die IUB sein. Wenn ihm das zum Vorwurf gemacht wird, deutet Laurenz Thomsen das als Kompliment um. „Wir betrachten uns gern als Elite bezüglich der Qualität!“, sagt der IUB-Professor für Geowissenschaften. Große Worte für einen Lehrbetrieb, der erst seit 14 Monaten besteht. Aber offenbar die richtigen für die Ohren der Bremer Senatoren, die hoffen, dass sich die IUB als Wirtschaftsmagnet erweisen wird. Rund 115 Millionen Euro gab das hoch verschuldete Bremen für die Anschubfinanzierung der IUB. Die Unterstützung von Privatinvestoren wird dagegen mit nur etwa 35 Millionen Euro angegeben. Noch sind die angestrebten 250 Millionen Euro Grundkapital nicht vorhanden, aus deren Zinsen der laufende Betrieb der IUB finanziert werden soll.

Obendrein fließen jetzt zusätzlich Bund-Länder-Mittel aus dem Hochschulbauförderungsgesetz. Auf Empfehlung des Wissenschaftsrates bekommt die IUB von Januar 2003 an insgesamt 40 Millionen Euro für weitere Ausbaumaßnahmen durch das Hochschulbauförderungsgesetz. Obwohl auch die Bremer Hochschulen finanziell schlecht dastehen, gibt es nach Aussage der IUB keine Eifersüchteleien um öffentliche Finanzspritzen. „Wir betrachten uns überhaupt nicht im negativen Sinne als Konkurrenten!“, sagt IUB-Sprecherin Beate Wolff. Die Kooperation verlaufe hervorragend. Forschungseinrichtungen der IUB können auch von der Universität Bremen genutzt werden. Im Frühjahr mischte IUB-Professor Thomsen seinen Geografiekurs mit Studenten der Uni Bremen und fuhr mit ihnen zur gemeinsamen Exkursion in den Harz. „Zuerst waren die Uni-Studenten etwas abweisend, sie dachten vielleicht, wir sind arrogant. Aber das gab sich schnell – gemeinsames Hämmern in den Höhlen verbindet“, sagt ein jugoslawischer IUB-Student.

Die 350 Studierenden der IUB kennen überfüllte Hörsäle und schlechte Ausstattung nur vom Hörensagen. Sie lernen und arbeiten in kleinen Gruppen und in engem Austausch mit ihren Professoren. Unterrichtssprache ist Englisch. Etwa vierzig Stunden pro Woche nehmen ihre Kurse in Anspruch, die Vor- und Nachbereitungszeit nicht mitgerechnet. „Das ist schon manchmal ziemlich anstrengend. Man muss immer vollen Einsatz zeigen, weil es in dem kleinen Kreis sofort auffällt, wenn man schlecht vorbereitet ist“, berichtet eine rumänische Sozialwissenschaftsstudentin. Die IUB legt Wert auf fachübergreifendes Wissen. So müssen beispielsweise Geografiestudenten auch Kurse in geisteswissenschaftlichen Fächern belegen. Zum Abschluss gibt es Bachelor-Grade, auf die später Master- oder Doktortitel folgen können. Diese Staffelung bieten auch fast alle staatlichen Hochschulen – aber nicht unter solch paradiesischen Bedingungen. Der jugoslawische Geografie- und die rumänische Sozialwissenschaftsstudentin sind sich einig: „Zu wissen, dass hier nicht jeder aufgenommen wird, macht ehrgeizig.“

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