Gesundheit : Mit Zentren zur Spitze

Elite-Wettbewerb: Was die Humboldt-Uni einfädelt

Uwe Schlicht

Es wird eng für den Elite-Wettbewerb der Universitäten. Sollte auch der letzte Termin für eine Einigung der Ministerpräsidenten, der 23. Juni, im Wahlkampfgetöse untergehen, könnte der Wettbewerb nicht mehr 2006 starten.

Jürgen Mlynek, der scheidende Präsident der Humboldt-Universität, hält es jedenfalls für unwahrscheinlich, dass, wie ursprünglich geplant, auch einzelne Hochschulen gekürt werden. Lediglich zwei Bestandteile des Wettbewerbs hätten noch eine Chance: die internationalen Graduiertenschulen und die „Cluster“ – Zentren, in denen sich die Forschung der Universitäten, der großen Wissenschaftsorganisationen und der Wirtschaft um wichtige Themen gruppiert. Mlynek und Jürgen Prömel, Vizepräsident für die Forschung, betonen, dass sie zusammen mit dem Akademischen Senat und dem Kuratorium eine langfristige Strategie bereits vor Beginn der Elitediskussion entwickelt hätten.

Auch ohne Elitewettbewerb belege die Humboldt-Universität bundesweit eine Spitzenposition: Sie ist jetzt Sprecher von 13 Sonderforschungsbereichen und steht damit neben Aachen an der Spitze in Deutschland. Bei den Graduiertenkollegs für die Nachwuchsförderung kommt die Universität Göttingen auf 14 Graduiertenkollegs, die Humboldt-Universität auf 13 und die beiden baden-württembergischen Universitäten Heidelberg und Tübingen auf jeweils zehn. Nur bei den eingeworbenen Drittmitteln liegt die Humboldt-Universität mit 38 Millionen Euro noch nicht in der Spitzenposition.

Zusätzliche Drittmittel sollen mithilfe der geplanten zwölf Forschungszentren eingeworben werden. Bereits jetzt existieren solche Zentren in der Infektionsbiologie, der Metropolen- und der Antikeforschung. Demnächst sollen Forschungszentren für Sprache und Linguistik sowie in der Bildungsforschung für die Entwicklung der Bildungsstandards beschlossen werden. In der Genetik setzt die HU künftig auch auf die Zusammenarbeit von Landwirten und Biologen. Und in Adlershof soll sich ein Forschungszentrum auf die Optik konzentrieren. Diese Zentren bilden neben den Sonderforschungsbereichen die Basis für noch größere Themenkonzentration in den „Clustern“.

Sollten die Ministerpräsidenten trotz des Wahlkampfes doch noch den Exzellenzwettbewerb starten, wird die Humboldt-Universität mit mindestens zwei Clustern antreten: einem in den Geistes- und Sozialwissenschaften und mit den Naturwissenschaften am Standort Adlershof. Vor allem in Adlershof möchte die Humboldt-Universität den Standortvorteil nutzen: In direkter Nachbarschaft arbeiten dort die Forschungsinstitute der Leibniz-Gemeinschaft und technologieorientierte Unternehmen.

Eine noch größere Dimension hätte ein Cluster in den Lebenswissenschaften. Hier ist ein Schwerpunkt geplant, mit dem sich die Region Berlin-Brandenburg im bundesweiten Wettbewerb aufstellen will – unter Beteiligung der drei großen Universitäten und von außeruniversitären Forschungsinstituten. Die Charité – eine gemeinsame Einrichtung von Humboldt- und Freier Universität – soll die Molekulare Medizin und die Genforschung beisteuern.

Die Humboldt-Uni könnte die Theoretischen Biologie einbringen, die Technische Universität die Medizintechnik. Mit ins Boot geholt werden sollen auch das Max-Delbrück-Centrum in Buch, eine Einrichtung der Helmholtz-Gemeinschaft, und der biomedizinische Schwerpunkt in Dahlem von Max-Planck-Instituten und der Freien Universität. Die Federführung soll neben der Charité auch bei dem für die Forschung zuständigen Vorstandsmitglied der Schering AG, Günter Stock, liegen. Damit würde zugleich eine Brücke zur chemischen Industrie in Berlin und Unternehmensgründungen in der Gentechnik geschlagen werden.

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