MITARBEITER DER WOCHE : Der Gelenkspezialist, der Brücken nach Japan baut

Name



Jörg Scholz, 64

Beruf

Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Helios-Klinikum Emil von Behring

Alltag

Jörg Scholz setzt am Zehlendorfer Helios-Klinikum seinen Patienten künstliche Gelenke ein. Darüber hinaus ist er aber auch selbst eine wichtige Gelenkstelle, nämlich zwischen deutschen und japanischen Orthopäden. Der gebürtige Saarbrücker engagiert sich seit 15 Jahren in der Weiterbildung junger japanischer Fachärzte im Bereich Endoprothetik, leitet eine Kommission, die Bewerber auswählt, und kümmert sich um die Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis. Die Gäste hospitieren ein Jahr in Berlin und lernen das Einsetzen von Kunstgelenken. „Erst sind sie meine Assistenten“, sagt Scholz, „dann tauschen wir die Plätze, und ich assistiere ihnen.“ 26 japanische Kollegen konnten auf diese Weise in den letzten 15 Jahren ihren Wissensstand erweitern. Für Jörg Scholz begann es damals mit der simplen Anfrage eines Herstellers, der in Japan tätig war: Ob er nicht dort einen Vortrag halten könne. Inzwischen ist er der Präsident der deutschen Sektion der Deutsch-Japanischen Orthopädischen Gesellschaft. Zweimal im Jahr reist er nach Japan, das nächste Mal im Oktober. Ein für dieses Jahr geplanter Kongress war wegen der Atomkatastrophe von Fukushima abgesagt worden. Was ihn immer wieder erstaunt: „Die unglaublich positive Einstellung der Japaner gegenüber Deutschland.“ Die Sympathien seien sehr viel älter als das Bündnis im Zweiten Weltkrieg. „Die erste japanische Verfassung war im 19. Jahrhundert an die Bismarck’schen Reformen angelehnt“, erzählt Scholz. „Damals sind japanische Gesandte durch ganz Europa gereist auf der Suche nach Verfassungsvorbildern.“ Später dann, in den 20er Jahren, seien die Kontakte zwischen der japanischen und deutschen Medizin sehr eng gewesen. Foto: Mike Wolff/Text: uba

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