Gesundheit : Mittel gegen Leukämie

Nachfolger für Blutkrebs-Medikament Glivec?

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Als das Krebsmittel Imatinib (Handelsname „Glivec“) 2001 in der EU zugelassen wurde, war die Fachwelt euphorisch. Imatinib war ein gut verträgliches Medikament in Pillenform, das Menschen mit chronischmyeloischer Leukämie, CML, einer Form von Blutkrebs, selbst dann noch helfen konnte, wenn andere Substanzen versagten. Allerdings mehrten sich bald die Fälle, in denen Krebszellen nicht mehr anfällig für Glivec waren.

Doch Rettung könnte in Sicht sein, denn auf dem Kongress der amerikanischen Gesellschaft für Krebsforschung in Anaheim wurde der potenzielle Nachfolger von Glivec präsentiert. Der Wirkstoff AMN107 könnte selbst dann noch wirken, wenn Glivec nicht mehr hilft. Er gilt als 30- bis 100-mal stärker.

Möglich wurde dieser ziemlich schnelle Ersatz auch deshalb, weil der Wirkmechanismus von Glivec gut erforscht ist. Die „Designerarznei“ wurde sozusagen am Reißbrett entwickelt und auf ihren Einsatz gegen Krebszellen maßgeschneidert. CML-Kranke produzieren aufgrund einer Mutation in ihren Krebszellen ein Eiweiß namens Bcr-Abl. Dieses Protein kurbelt das Wachstum der Krebszellen an. Glivec kann es blockieren. Bis, irgendwann, die Krebszellen reagieren und ein „resistentes“ Bcr-Abl herstellen, gegen das Glivec nicht mehr hilft.

An diesem entscheidenden Punkt setzt der neue Wirkstoff an, denn er bindet sich viel stärker an das krankhafte Eiweiß als Glivec, auch an die resistenten Varianten von Bcr-Abl. In Versuchen mit Krebszellen stellte sich heraus, dass von 16 Glivec-resistenten Leukämie-Zelllinien 15 empfindlich auf AMN107 reagierten, wie Forscher der Oregon Health and Science University (Portland) berichteten. Und aus ersten Ergebnissen einer Studie der Universitäten von Texas und Frankfurt am Main geht hervor, dass AMN107 bei mehr als 70 Prozent jener CML-Patienten noch anschlägt, die sich bereits im fortgeschrittenen Stadium der Krankheit befinden. wez

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