Gesundheit : Mittels Guerilla-Taktik der etwas andere Einstieg in den Beruf

Heiko Schwarzburger

Nach den Schwarten fürs Diplom folgen die Tips zum Karrierestart: Meterlange Regale in den Buchhandlungen, wie eine Wand stehen sie da, ein ganzer Dschungel voller Trends und Analysen zum Berufseinstieg. Doch plötzlich: "Die Guerilla-Bewerbung"! Der rote Titel zieht an, denn Guerilleros schlagen sich bekanntlich durch. Sie trotzen der Übermacht, dem Dickicht der Konkurrenz, und wer will nicht auch bei seiner Bewerbung ein bisschen sein wie Che Guevara? Die Unterzeile verheißt: "Der etwas andere Weg des Berufseinstieges". Che als Pate der modernen Erfolgsbiografie?

Die beiden Autoren benutzen das Bild der Untergrundkämpfer, um ein positives Credo zu verbreiten: "Auf dem Arbeitsmarkt Guerilla-Taktiken anzuwenden bedeutet nicht, mit allen Mitteln skrupellos um eine Stelle zu kämpfen. Vielmehr geht es darum, eine neue Stelle mit Geschick und Ausdauer zu erobern." Das hat allerdings mit Che Guevaras Kriegstaktik nicht mehr viel gemein. Doch der Titel dient ohnehin nur der Verkaufsförderung, viel wichtiger erscheint, welche Einblicke in erfolgreiche Bewerbungsstrategien vermittelt werden.

Schon nach den ersten Sätzen wird klar, dass die beiden Autoren Susanne und Kai Riedel ausgewiesene Experten für Personalmarketing sind. Sie sehen die Bewerbung und den Berufseinstieg nicht nur als formalen Akt, der sich in verschiedenen Schriftstücken ausdrückt, sondern als Ergebnis der individuellen Suche nach dem eigenen Weg. Sie stellen die Persönlichkeit des Bewerbers in den Mittelpunkt, nicht das Unternehmen oder das schnelle Einstiegsgehalt.

Erfrischend zu lesen: "Zufriedenheit kann man nur erreichen, wenn die subjektiv empfundene Lebensqualität den eigenen Ansprüchen gerecht wird. (. . .) Bevor Sie also entscheiden können, was für Sie wirklich wichtig ist, müssen Sie Ihre eigenen Werte bestimmen und eine persönliche Zielvorstellung von dem haben, was Sie erreichen wollen." Die Bewerbung wird als Prozess der inneren Reifung dargestellt. Der Bewerber oder die Bewerberin muss sich nicht länger vor den allgewaltigen Ansprüchen der Unternehmen verbiegen, sich passfähig machen um jeden Preis. Vielmehr empfehlen die Autoren, ausdauernd nach der richtigen Stelle zu suchen, auch wenn dazu Umwege oder Verzögerungen notwendig sind. Zwischen einer Bewerbung und der Antwort aus der Personalabteilung entstehen oftmals lange Wartezeiten. Starker psychologischer und auch finanzieller Druck sind die Folge.

Wer lange außerhalb der Arbeitswelt steht, leidet unter mangelnder Anerkennung durch die Gesellschaft, fühlt sich ausgegrenzt und minderwertig. Solche Krisenperioden lassen sich sinnvoll füllen, etwa durch Weiterbildung, freie Mitarbeit, Nebenjobs oder auch einfach durch Tätigkeiten, die dem persönlichen Wohlgefühl dienen.

Mehrere Kapitel widmen die Verfasser den alternativen Berufswegen, wie selbstständiger Tätigkeit oder dem Berufseinstieg über Zeitarbeitsfirmen. Allerdings sind die Ausführungen zur Scheinselbstständigkeit auf Grund der jüngsten Gesetze aus Bonn nicht mehr ganz aktuell. Das letzte Kapitel gilt der Phase nach dem erfolgreichen Berufseinstieg bis hin zur nächsten Stufe auf der Karriereleiter. "Wichtig ist, dass man die Freiheit und die Möglichkeiten hat, seinen Werdegang bewusst zu gestalten, Chancen zu nutzen und Veränderungen zu erreichen", schreiben die Autoren. "Guerilla sein heißt, sein Schicksal in die Hand zu nehmen und den Erfolg auch auf unkonventionellen Wegen zu erreichen." Eine übersichtliche Adressensammlung vervollständigt diesen nützlichen Ratgeber.Susanne und Kai Rieder: Guerilla-Bewerbung. Der etwas andere Weg des Berufseinstiegs. Campus Verlag, Frankfurt am Main/New York 1999, 192 Seiten, 29 Mark 80 Mark.

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