Gesundheit : Modell Kairo

In der ägyptischen Hauptstadt eröffnete Bundeskanzler Schröder die Deutsche Universität. Sie soll helfen, den „Weg des Friedens“ im Nahen Osten zu verbreitern

Hermann Horstkotte,Hans Monath

Von Hermann Horstkotte

Und Hans Monath

Für Ashraf Mansour, einen deutschen Physikprofessor aus Ägypten, ging am Sonntag ein Lebenstraum in Erfüllung. Er konnte die German University Cairo (GUC) eröffnen. „Unterschiedliche Kulturen werden sich hier mischen, die GUC wird eine internationale Universität“, so der Hochschulgründer. Die Universität soll bei der geistigen Globalisierung der ägyptischen Gesellschaft helfen, ein Gegengewicht zur Islamisierung werden. Bundeskanzler Gerhard Schröder nutzte die Eröffnungsfeier in Kairo, um dem ebenfalls anwesenden ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak demonstrativ als „Vermittler im Nahostkonflikt“ den Rücken zu stärken.

„Ohne Kopftuch und Schleier“

Einen Tag nach dem verheerenden palästinensischen Selbstmordattentat in Haifa betonte Schröder, die Gründung der Universität solle auch den Weg des Friedens unterstützen, den Ägypten gegangen sei. „Zur Sicherheit, wie wir sie gerade in dieser Region so dringend brauchen, gehört auch die soziale und kulturelle Sicherheit.“ In Berlin gilt die GUC als Beitrag zum „Dialog der Kulturen“, der auch auf die Stärkung der Zivilgesellschaften im Nahen Osten zielt.

Ein Programm, für das der an der Universität Ulm promovierte und habilitierte Gründungsdirektor Ashraf Mansour steht. Heinz Nastansky, der für das Kairo-Projekt zuständige Leiter beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), sagt, er sei sich „nach dem ganzen geistigen Habitus“ Mansours sicher, „dass Studentinnen der GUC ohne Kopftuch und Schleier auskommen“.

Die Lehre an der GUC wird zur Hälfte von deutschen und ägyptischen Dozenten getragen werden, die in Deutschland ausgebildet wurden. Der Bund hat bislang rund 600 000 Euro beigesteuert. Finanziert wird die Hochschule jedoch hauptsächlich von einer Gruppe ägyptischer Investoren um den Gründungsdirektor Ashraf Mansour. Bisher haben die Hauptsponsoren, sechs ägyptische Bauunternehmer – darunter Mansours Bruder –, rund acht Millionen Euro für das Bauvorhaben und das Lehrpersonal gegeben. Der ägyptische Staat förderte das Unternehmen durch einen Vorzugspreis für das gut eine halbe Million Quadratmeter große Grundstück. Rund 25 Kilometer vom Zentrum der 17-Millionen-Stadt Kairo wurde der gigantische Campus-Komplex innerhalb von zwei Jahren aus dem Sand gestampft.

„Schon nach der Promotion wollte ich am liebsten meine ganzen Freunde, meine Forschungsgruppe, ja das ganze Institut mit mir zurück an den Nil nehmen“, sagt Ashraf Mansour. Die Idee zu einer eigenen Universität in der Heimat nach deutschem Vorbild reifte in Ulm. Der Ulmer Rektor Hans Wolff, der stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der GUC ist, war auf Anhieb von dem Gründungsvorhaben Mansours begeistert. Bei der Ausarbeitung der Lehrpläne wirkten außerdem die Unis in Stuttgart, Tübingen und Mannheim mit.

Das Lehrangebot beginnt mit fünf internationalen Bachelor- und Master-Studiengängen in Biotechnologie, Informations- und Medientechnik, Materialwissenschaft und Betriebswirtschaft, zunächst für jeweils zweihundert Studierende. Die Uni wählt ihre Schüler selber aus und nimmt pro Semester Studiengebühren zwischen 2500 und 4400 Euro. Je besser jemand bei der Aufnahmeprüfung abschneidet, desto weniger muss er nachher zahlen. Hochbegabte aus einkommensschwachen Familien können sich um Stipendien bewerben.

„Wir haben in Kairo alles, was wir vielleicht auch einmal in Deutschland durchsetzen können“, sagt der Ulmer Universitätsrektor Wolff. Unterrichtet wird auf englisch. Gleichwohl gibt es für alle Studenten deutschlandkundliche Pflichtveranstaltungen am „German Center“.

Uni-Projekte in China und Vietnam

Die GUC zählt zu insgesamt 29 Vorhaben zum „Export deutscher Studienangebote“, die die Bundesregierung über den DAAD seit 2001 unterstützt. „Wir wollen den globalen Bildungsmarkt nicht länger den englischen, australischen und amerikanischen Hochschulen überlassen“, sagt DAAD-Generalsekretär Christian Bode. In Kairo beispielsweise gibt es neben einer US-Hochschule auch noch eine französische. Die deutschen Bildungsexporteure suchen freilich stets Partnerschaften mit einheimischen Bildungsträgern. „Die Zusammenarbeit auf gleicher Augenhöhe und die gemeinsame Verantwortung entziehen jedem Verdacht eines Bildungskolonialismus von vornherein den Boden“, sagt der Generalsekretär.

Der deutsche Exportschwerpunkt in Sachen Bildung liegt bei den Technikwissenschaften: Die TH Aachen gründet eine thailändisch-deutsche „Graduate School of Engineering“, die TU Dresden eine Deutsche Fakultät an der Schwesterhochschule in Hanoi (Vietnam), die Fachhochschule Hamburg ein „Zentrum für Technik und Wirtschaft“ in China.

In der deutschen Kairo-Delegation war neben Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (siehe Kasten) auch der baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel. Aus dem Bundesland, das bei der GUC-Gründung Pate stand, brachte er ein großzügiges Geschenk mit: einen Scheck über zweihunderttausend Euro für die Ausstattung der Universitätsbibliothek.

Die GUC im Internet:

http://cairo.daad.de /guc/index.htm; www.guc.edu .eg

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