Gesundheit : Modellprojekt der Stiftung Umwelt schützt Kulturerbe

Clemens Wergin

Umweltschutz kann nicht nur Arbeitsplätze retten, sondern auch wertvolle Kulturgüter vor der Vernichtung bewahren. Dies hat zumindest die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit einem jetzt abgeschlossenen Modellprojekt in den Neuen Ländern bewiesen. Mit neun Millionen Mark förderte die Stiftung die Installation von Fenstern zum Schutz von Glasmalereien. Unter der Leitung der Arbeitsstelle für Glasmalereiforschung an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften wurden so vom sauren Regen bedrohte Kirchenfenster aus dem 15. bis 20. Jahrhundert mit Schutzfenstern versehen.

Aber auch die heimische Wirtschaft sollte gestärkt werden. "Uns ging es darum, kleine ostdeutsche Werkstätten in dieses Projekt zu integrieren", sagt Arno Weinmann von der Stifung Umwelt. Damit sollte denkmalpflegerisches Know-How vor Ort gesichert und weiterentwickelt werden. "Bedingung war einmal eine gute Ausstattung des Betriebs, und er musste schon mindestens drei Jahre im Denkmalschutz tätig gewesen sein", erklärt Weinmann. 18 Betriebe und bis zu 200 Menschen arbeiteten an den acht ausgewählten Kirchen. Während in Westdeutschland in den letzten 30 Jahren alle bedeutenden Kirchenfenster mit Schutzgläsern versehen wurden, war dies in Ostdeutschland nur selten geschehen. Gerade dort richtete die hohe Luftverschmutzung jedoch schwerwiegende Schäden an. Bis auf zwei stark korridierte Fenster im Dom von Stendal wurde auf eine Restaurierung verzichtet. "Es ging zunächst darum, Zeit zu gewinnen", erklärt Erhard Drachenberg, der die Arbeitsstelle für Glasmalereiforschung leitet. Um möglichst viele Fensterarten abzudecken, hat man Malereien aus sechs Jahrhunderten geschützt. Von den Fenstern aus dem frühen 15. Jahrhundert im Halberstädter Dom bis zu den in den 60er Jahren für den Erfurter Dom entworfenen Fenstern des Künstlers Charles Crodel.

Besondere Bedeutung erhielten dabei die aus rostfreiem Stahl ausgeführten Befestigungssysteme, die einerseits die tragenden Strukturen der Fenster nicht zu sehr beanspruchen durften, andererseits aber auch wieder entfernbar sein müssen, sollten zukünftige denkmalpflegerische Bedürfnisse andere Lösungen erfordern. Auch eine ausreichende Belüftung zwischen Schutz- und Originalfenster musste gewährleistet sein, um die Bildung aggressiven Kondenswassers zu verhindern. Während des sechs Jahre dauernden Projektes wurden die Mitarbeiter der beteiligten Firmen am Fraunhofer-Institut für Silicatforschung in Würzburg weitergebildet und hospitierten an der Kölner Dombauhütte.

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