Gesundheit : Mund-zu-Mund-Beatmung? Warum manche Experten abraten

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ZU SELTEN: HILFE IN DER NOT

Erst vor anderthalb Jahren wurden die internationalen Richtlinien zur Wiederbelebung überarbeitet. Jetzt sieht es so aus, als seien sie schon wieder überholungsbedürftig. Der Grund ist eine große japanische Studie. Ken Nagao vom Tokioter Surugadai-Nihon-Universitätsklinikum und seine Kollegen untersuchten, was mit 4000 Erwachsenen geschah, die außerhalb des Krankenhauses einen Herzstillstand erlitten und dabei von Zeugen beobachtet wurden. Schockierendes Ergebnis der im Fachblatt „Lancet“ veröffentlichten Studie: In sieben von zehn Fällen eilte niemand den Menschen zu Hilfe. Zum gleichen Ergebnis kam eine Studie des Berliner Herzspezialisten Dietrich Andresen (siehe Interview).

GLÜCKSFALL HERZMASSAGE

Aber die Japaner machten noch eine weitere interessante Beobachtung. Von den Menschen, die das Glück hatten, wiederbelebt zu werden, erging es jenen sehr viel besser, die nur eine Herzmassage bekommen hatten. Die Gefahr von Hirnschäden war bei ihnen um das Zweifache geringer als bei jenen, die neben der Herzmassage eine Atemspende bekamen. Die Botschaft für viele Experten ist daher klar: Bei der Wiederbelebung ist die komplizierte, fehlerträchtige, zeitraubende und für viele Menschen schlicht abstoßende Mund-zu-Mund-Beatmung eher von Schaden als von Nutzen. Einfacher und effektiver ist die ausschließliche Herzmassage. Es könnte möglich sein, dass dadurch auch mehr Menschen zu Wiederbelebungsmaßnahmen bereit wären.

WO DIE ATEMSPENDE NÜTZT Werden nun die Richtlinien entsprechend geändert? Das ist wohl eher unwahrscheinlich. Mediziner verweisen darauf, dass auch heute schon Menschen, die keine Mund-zu-Mund-Beatmung machen wollen, bei der Wiederbelebung „nach den Richtlinien“ auf sie verzichten können und sich auf die Herzdruckmassage konzentrieren sollen. Außerdem gibt es einige wenige Ausnahmefälle, in denen Beatmung sinnvoll sein kann. Zu ihnen gehören Ertrunkene, Menschen mit drogenbedingtem Atemstillstand und Kinder.

WIEDERBELEBEN – ABER RICHTIG

Bei der Wiederbelebung kommt es auf drei Schritte an:

1. Wer einen Menschen beobachtet, der bewusstlos ist, sich nicht bewegt und nicht atmet (Achtung: gelegentliches Schnappen ist kein Atmen, sondern Indiz für einen Herzstillstand), sollte prüfen, ob der Betroffene ansprechbar ist. Dazu sollte man an ihm rütteln und versuchen, ihn durch einen Klaps auf die Wange aufzuwecken. Auf Pulsfühlen sollte verzichtet werden. Es kostet Zeit und ist zu fehleranfällig.

2. Ist der Betroffene weiter bewusstlos, unter der Telefonnummer 112 die Feuerwehr alarmieren.

3. Die Herzdruckmassage beginnen. Dazu wird der Betroffene auf den Rücken gelegt. Der Helfer kniet neben ihm und legt den Handballen der einen Hand auf die Mitte oder das untere Drittel des Brustbeins. Die andere Hand wird über Kreuz darüber gelegt. Die Arme sind gestreckt, und mit senkrechtem Druck unter Einsatz des Körpergewichts wird das Brustbein um drei bis fünf Zentimeter nach unten gedrückt. Gebeugt wird im Hüftgelenk. Die Herzmassage sollte mindestens 100-mal in der Minute erfolgen. Sind mehrere Zeugen vorhanden, kann man sich abwechseln. wez

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