Gesundheit : Muskeltraining für den Flug ins Weltall

Christian Guht

Was Astronauten im All fit hält, könnte auch irdischen Patienten helfen, gesund zu werden. Mit diesem Ausblick präsentierten die Experten vom Zentrum für Muskel- und Knochenforschung (ZMK) der Charité am Mitttwoch die ersten Ergebnisse ihrer „Bedrest“-Studie. Insgesamt 20 junge Männer hatten dort, im Klinikum Benjamin Franklin, jeweils acht Wochen lang strikte Bettruhe gehalten. Eine Hälfte der Probanden trainierte währenddessen liegend mit einem neuen Gerät die Muskeln, die andere lag untätig herum. Ziel der Untersuchung war es, eine Trainingsmethode zu testen, die einem besonderen Problem bei langen Aufenthalten in der Schwerelosigkeit entgegenwirken soll: dem Muskel- und Knochenschwund.

Der Trainingseffekt mit dem Gerätsei noch besser gewesen als erhofft, gab der wissenschaftliche Koordinator der Studie, Jörn Rittweger, bekannt. So habe die Muskelkraft vollständig erhalten werden können, wenn die Testpersonen nur fünf bis zehn Minuten am Tag trainierten. Bei den Untrainierten hingegen nahm die Kraft um 20 Prozent ab.

Auch im Hinblick auf die Knochenstabilität erwies sich das Training als günstig. Nahm bei den Untätigen die Knochendichte um vier Prozent ab, so lag der Schwund bei den Aktiven nur bei 0,5 Prozent. „Das sind die bisher besten Ergebnisse bei einer derartigen Studie“, sagte Dieter Felsenberg, Leiter des ZMK.

Die Europäische Weltraumagentur Esa und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt förderten die Untersuchung. Die Erkenntnisse sollen bei bemannten Raumflügen genutzt werden. Sollten Astronauten irgendwann einmal zum Mars fliegen, wären sie mindestens 500 Tage der Schwerelosigkeit ausgesetzt.

Auch Patienten auf der Erde sollen von den Erkenntnissen profitieren. „Die Art und Weise, wie sich Muskel- und Knochenstabilität beeinflussen, ist hier die gleiche, so dass sich der Trainingsansatz auch für Osteoporose-Kranke oder bettlägerige Patienten nutzen lässt“, sagte Felsenberg.

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