Gesundheit : Nachhaltiges Wirtschaften: Eine Bohrmaschine für alle

Alexander Florin

40 bis 50 Mietparteien leben in einem großen Wohnhaus. Wie viel davon besitzen eine Bohrmaschine? Wie oft wird so ein Werkzeug gebraucht? Wäre es nicht praktischer, wenn es eine Bohrmaschine für alle gäbe, die sich derjenige ausleiht, der sie tatsächlich gerade benötigt? Nach diesem Prinzip könnten sich mehrere Mietparteien beispielsweise ein "Gemüseabonnement", also eine Dauerbestellung für Feldfrüchte aus ökologischem Anbau, teilen. Oder: in einer Gegend mit ungünstigen Einkaufsmöglichkeiten ließe sich ein Lieferservice einrichten.

Ob und wie das funktionieren kann, will jetzt eine Forschungsgruppe der TU Berlin herausfinden. Dabei interessiert die Wissenschaftlerinnen besonders, welche Entlastungen bei der kommunalen Haushaltsführung zu verzeichnen wären oder ob dabei gar Belastungen im Alltagsleben entstehen könnten. Auch die ökologischen Nebenwirkungen sollen beobachtet werden. Gefördert wird das Projekt aus Mitteln des Bundesforschungsministeriums, das ein bundesweites Untersuchungsprogramm zum "nachhaltigen Wirtschaften" ins Leben gerufen hat.

Aber gibt es überhaupt Leute, die dabei mitmachen wollen? Drei Berliner Wohnungsgesellschaften unterstützen die Forscherinnen Petra van Rüth und Kathrin Buchholz. Sie helfen, Hausgemeinschaften zu finden und übernehmen auch einige Investitionskosten - etwa für eine Gemeinschafts-Bohrmaschine.

Anfang nächsten Jahres wollen die Forscherinnen mit den Mietern das Projekt besprechen. "Wenn zum Beispiel jeder schon eine Bohrmaschine hat, braucht man in dieser Richtung nicht weiter nachzudenken", sagt van Rüth. "Die Frage ist: Besteht überhaupt Interesse an solchen Angeboten? Was kann sich die Mietergemeinschaft vorstellen, was braucht sie?" Vorstellbar sind dann auch Kooperationen mit bestehenden Initiativen. Es erscheint beispielsweise sinnvoller, wenn die Mieter mit "Statt-Auto" kooperieren als ein eigenes Car-Sharing ins Leben zu rufen.

Die Untersuchung ist auf drei Jahre angelegt. Im Sommer nächsten Jahres werden die nützlichen Ideen und Vorschläge umgesetzt. In Zusammenarbeit mit einem Sozialwissenschaftler der Universität Marburg und einer Soziologin der Technischen Universität Berlin untersuchen die beiden Wissenschaftlerinnen die Ergebnisse. Studenten erhalten die Möglichkeit, an der TU eine Diplomarbeit zu der Untersuchung zu verfassen.

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