Gesundheit : Nachwuchsförderung: Medien sind nur Mittel zum Zweck

Christian Pfeffer-Hoffmann

Die deutschen Fußballer können international nicht mehr mithalten. Über den Grund sind sich die meisten einig: Wer kaum etwas für die eigene Nachwuchsförderung tut und stattdessen lieber ausländische Stars einkauft, braucht sich nicht zu wundern, wenn im eigenen Land die Talente ausbleiben. Deutschland hat relativ gute Sportplätze aber kaum Nachwuchs, der zielstrebig darauf trainiert wird.

In eine ähnliche Richtung scheint sich derzeit die Informationsgesellschaft in Deutschland zu bewegen. Wir kaufen ausländische Computer-Spezialisten ein und versuchen unseren eigenen Nachwuchs vor allem dadurch zu fördern, dass wir ein paar Rechner in Schulen und Universitäten stellen. So wenig wie ein Sportplatz allein jedoch ausreicht, um gute Sportler heranzuziehen, so wenig reicht ein Computer, um unsere Schüler und Studenten international konkurrenzfähig im Umgang mit den neuen Medien zu machen. Benötigt werden gutes Training und eine überlegte Ausbildung.

Multimedia - was nun?

Zugespitzt ist dieses Problem im Titel eines Experten-Symposiums formuliert, dass in der Freien Universität stattfand: "Multimedia - was nun?" hatte Ludwig Issing, Professor für Medienpädagogik und Medienpsychologie, das Thema genannt. Es ging um die Konsequenzen der Informationstechnologie für den Bildungsbereich. Je schneller sich die Technik entwickelt, desto dringender stellt sich für Wissenschaftler und Pädagogen die Frage, wie man die neuen Medien in der Bildung einsetzen kann.

Professor Michael Kerres von der Ruhr-Universität Bochum, Spezialist für Lernen durch das Internet, benannte das Problem so: "Der Mehrwert kommt nicht durch die Einführung des Mediums zustande." Stattdessen gehe es um neue Lernangebote. Am Anfang müsse immer ein Bildungsziel stehen. Darauf müsse eine Kosten-Nutzen-Analyse folgen, die verschiedene Medien abwägt. Medien seien lediglich Mittel zum Zweck. Heute steht aber oft noch die Einführung eines neuen Mediums am Anfang, erst dann wird überlegt, was damit gelernt werden könnte. In Zukunft wird sich Bildung jedoch immer mehr zu einem Markt entwickeln, in dem nicht Lehrmittel und Faktenwissen, sondern Lernerfolg und flexibles Denken zählen.

Der Weg zum Lernerfolg ist die Didaktik. Mit der Verwendung von neuen Medien geht es entsprechend um die "Entwicklung einer speziellen Online-Didaktik" wie es auch im dritten Bericht zu "Multimediaplanung im Hochschulwesen" der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung heißt. Gerade die Hochschulen kritisierte in diesem Zusammenhang Wieland Hempel, Referatsleiter für Hochschulentwicklung und Studienreform in der Berliner Senatsverwaltung für Wissenschaft und Forschung: "Die Didaktik wird von den Universitäten den unteren Bildungsstufen überlassen."

Aber auch an den Schulen gibt es beim sinnvollen Umgang mit neuen Medien große Defizite. "Viele Lehrer schrecken noch vor dem Umgang mit neuen Technologien zurück, weil sie auch eine neue Art von Unterricht erfordern. Sie werden auch kaum dazu ausgebildet", so Thomas Seidel, Mitarbeiter am Institut für Medienpädagogik und Medienpsychologie der Freien Universität.

Zu diesem Schluss kam auch das Symposium in seinen am Ende verabschiedeten Empfehlungen. Darin wird eine Verstärkung der Aus- und Fortbildung von Lehrern und Dozenten im Bereich der neuen Medien gefordert. Die Diskussion um die ausreichende Bereitstellung von Technik in Schulen und Universitäten verdecke die eigentliche Notwendigkeit von konkreten Bildungszielen. Erst nach der Überlegung, was überhaupt gelernt werden soll, steht die Frage "Wieviele Steckdosen brauche ich in meinem Klassenzimmer?" so Michael Kerres.

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