Gesundheit : Necla Kelek: Migranten mehr Grenzen setzen

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Wie kann es eine Gesellschaft zulassen, dass Kindern die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben und an Bildung verwehrt wird? Necla Kelek, Soziologin und Buchautorin (Die fremde Braut, 2005; Die verlorenen Söhne, 2006) fordert, Migranten mehr Grenzen zu setzen. Es könne nicht sein, dass Muslime ihren Töchtern die Teilnahme am Schwimmunterricht oder an Klassenfahrten verbieten dürfen, sagte Kelek jetzt bei einer von der SPD-Abgeordneten Annette Fugmann-Heesing moderierten Diskussion mit Bischof Wolfgang Huber im Jugend-Kulturzentrum Pumpe in Berlin-Mitte.

„Ich erwarte von der Schule, dass die Lehrer alle Kinder gleich behandeln und keine kulturellen und religiösen Unterschiede machen“, so Kelek. Aus falsch verstandener Multikulturalität aber ließen es die Schulen zu, dass muslimische Eltern sich „religiös begründete Freiheiten“ herausnähmen, die mit der demokratischen Grundordnung nicht vereinbar seien. Stattdessen sollten die Pädagogen den Kindern auch vermitteln, dass sie Rechte gegenüber ihren Eltern hätten. Bischof Huber, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, unterstützte „klare Erwartungen an Eltern, aber auch an Bildungspolitik“. „Das Bildungswesen ist so ausgerichtet, dass sich Bildungsferne vererbt“, kritisierte Huber. Bildungsferne sei nicht per se ein Problem von Migranten, sondern ein sozialer Missstand. Schule dürfe sich nicht darauf verlassen, dass Kinder zu Hause zusätzlich gefördert werden, sondern mehr Verantwortung übernehmen, damit nicht „ein wachsender Anteil jedes Jahrgangs zur verlorenen Generation gehört“.

Kelek und Huber waren sich indes einig, dass gelungene Integration soziale, kulturelle und staatsbürgerschaftliche Teilhabe an der Gesellschaft voraussetzt. Kelek macht einen „versiegelten Islam“ für die weitgehend „misslungene Integration“ verantwortlich. Wolfgang Huber warnte vor Selbstgerechtigkeit. Man könne den Lernprozess, den auch christlich geprägte Gesellschaften durchgemacht hätten, ehe sie zu demokratischen Rechtsstaaten wurden, anderen nicht absprechen. -ry

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