Gesundheit : Nervenzellen aus Knochenmark

Ein Forscherteam am Universitätsklinikum Essen hat nach eigenen Angaben aus menschlichem Knochenmark Nervenzellen hergestellt. Das Klinikum berichtete am Montag, prinzipiell sei damit die Tür offen für die rasche Bildung auch anderer Zell-Linien und deren Anwendung zur Behandlung bisher nicht oder nur schlecht behandelbarer Erkrankungen des Menschen.

Bei den Zellen handelt es sich um die "adulten" Stammzellen. Nach Angaben von Professor Andreas Hufnagel ist es der Essener Forschergruppe gelungen, die Stammzellen aus dem Knochenmark zu isolieren, in der Zellkultur um ein Vielfaches zu vermehren und in Nervenzellen umzuformen.

Wie erfolgreich die Gruppe dabei tatsächlich war, muss sich erst noch herausstellen. Mit Sicherheit sind für ein abschließendes Urteil weitere Studien erforderlich. Denn bislang galt es als äußerst schwierig, adulte Stammzellen zu vermehren. "Hunderte von Millionen Dollar wurden dafür ausgegeben - doch es klappt nicht", wie Otmar Wiestler von der Uni-Klinik Bonn im Gespräch mit dem Tagesspiegel gesagt hat. Wiestler ist der Kollege von Oliver Brüstle, der embryonale Stammzellen nach Deutschland importieren möchte.

Die Vorteile der adulten Stammzellen: Für ihre Gewinnung braucht man keine Embryonen, und da sie theoretisch dem Patienten selbst entnommen werden können, besteht bei einer Transplantation keine Abstoßungsgefahr.

Mehr und mehr zeigt sich das Potenzial der adulten Stammzellen, sich in verschiedene Zelltypen zu verwandeln. An der Rutgers Universität im US-Bundesstaat New Jersey gewann ein Team ebenfalls menschliche Stammzellen aus dem Knochenmark, die sie offenbar in Hirnzellen umwandelten. Im einem Tierversuch hatten die US-Forscher derartige Zellen ins Hirn gepflanzt und beobachtet, wie es die Funktion von zerstörtem Nervengewebe übernahm.

Dennoch warnen Forscher vor übertriebenen Hoffnungen. Bis zu einem möglichen Therapie-Einsatz für Menschen mit erkrankten Hirnzellen, wie etwa Parkinsonpatienten, werde es noch Jahre dauern.

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