Gesundheit : Neuberufung von Professoren: Limerick ist kein Vorbild

Uwe Schlicht

Der große Generationenwechsel unter den Professoren ist in vollem Gang und wird innerhalb der nächsten zehn Jahre die Wissenschaftslandschaft verändern. Er trifft nicht nur alle Hochschulen in Deutschland, an denen zwei Drittel der Professoren ersetzt werden müssen, sondern auch die Forschungsinstitute. Die Max-Planck-Gesellschaft muss etwa die Hälfte ihrer Institutsdirektoren ersetzen. Professor Wolfgang Frühwald, als Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung ein Kenner der internationalen Szene, wies gestern vor Journalisten darauf hin, was dabei auf dem Spiel steht. In dieser Situation "unternehmen die Vereinigten Staaten, Großbritannien, ja selbst Länder wie Schweden, Finnland und Österreich verstärkte Anstrengungen, Spitzenkräfte anzuwerben." Kanada habe ein 500-Millionen-Dollar-Programm aufgelegt, Großbritannien wolle 20 internationale Spitzenwissenschaftler gewinnen mit einem jährlichen Gehalt von 100 000 Pfund. Deutschland gerate in eine prekäre Lage, wenn es hier nicht mithalten könne.

Das gilt besonders für Berlin, wo bis zum Mai über die neuen Hochschulverträge für die Jahre 2003 bis 2005 verhandelt wird. Bei den Verhandlungen geht es zentral um die Frage, ob die Stadt allein für die Ausstattung der neu zu gewinnenden Professoren 240 Millionen Mark zusätzlich aufbringen kann.

Wolfgang Frühwald erklärte in seiner Eigenschaft als scheidender Vorsitzender des FU-Kuratoriums: "Wer sich jetzt nicht richtig positionieren kann, fällt unweigerlich in die Mittelmäßigkeit zurück, weil hochrangige Wissenschaftler teuer sind." Universitäten, die im Wettbewerb um die besten Wissenschaftler mithalten wollten, müssten für jeden neu berufenen Professor zwischen 500 000 und 1,5 Millionen Mark aufwenden, je nachdem ob es sich um einen Geisteswissenschaftler oder um teure Naturwissenschaftler, Ingenieure oder Mediziner handelt. "Unter diesen Beträgen bekommt man sie nicht. Wer die besten Arbeitsbedingungen bietet, wird auch die besten Wissenschaftler erhalten." Schon heute zögen die süddeutschen Universitäten in Bayern und Baden-Württemberg wegen der besseren finanziellen Bedindungen "unbeirrt an den norddeutschen Hochschulen vorbei".

Welches Schicksal der Freien Universität bevorstehen könnte, wenn sie nicht das benötigte Geld für die Neuberufung von Professoren bekommt und keine Entlastung von den drückenden Pensionsaufwendungen erhält, umriss Wolfgang Frühwald mit den Worten: "Noch ist die Freie Universität im internationalen Wettbewerb hochpositioniert. Die Freie Universität darf nicht in die Regionalliga absteigen. Bisher sind Oxford, Cambridge, Yale und Princeton die Partner der FU. Wenn es erst die Universität Limerick sein wird, ist es zu spät und es wird 20 Jahre dauern, um die verlorene Position wieder aufzubauen."

Da die Freie Universität wegen des Sparkurses schon jetzt etwa die Hälfte ihrer Professoren eingebüßt hat, werde sie das hohe Aufkommen an eingeworbenen Drittmitteln für die Forschung nicht mehr halten können. Im vergangenen Jahr waren es 127,5 Millionen Mark.

Positive Bilanz

Wolfgang Frühwald, der aus gesundheitlichen Gründen seinen Vorsitz im Kuratorium der FU niederlegt, zog dennoch eine positive Bilanz. Dieses neue Gremium ist nach dem Vorbild von Hochschulräten mit Prominenten aus Wissenschaft und Wirtschaft besetzt und berät die FU in strategischen Fragen der Hochschul- und Haushaltsentwicklung. Zu den prominenten Mitgliedern gehören neben Wolfgang Frühwald die Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts, Jutta Limbach, der ehemalige Vorsitzende der Chemiegewerkschaft, Herrmann Rappe, der Unternehmer und einstige Bundesbahnchef Heinz Dürr und die Präsidentin des Stiftungsrats des schweizerischen Nationalfonds, Professor Heidi Diggelmann. Dazu kommen Vertreter der Professoren, der Assistenten, Studenten sowie Mitarbeiter aus Reihen der FU. Diese Mischung hat sich nach Einschätzung von Wolfgang Frühwald bewährt, weil das Kuratorium eine viel stärkere Verbindung zur Basis der FU gewinnen konnte, als es den Hochschulräten zum Beispiel in Bayern möglich sei, die nur mit Externen besetzt sind. Die dortigen Hochschulräte, hätten zwar guten Kontakt zum Akademischen Senat, nicht jedoch zur Basis. Auch die Tatsache, dass das FU-Kuratorium, das die Rolle eines Aufsichtsrats ausübt, öffentlich tagt, ist für Wolfgang Frühwald inzwischen ein Gewinn geworden. Dadurch könnten Probleme der Universität auch nach außen getragen werden. Bisher seien keine Störungen durch die Öffentlichkeit zu registrieren gewesen. Dass das Kuratorium neuer Art überhaupt an die Stelle des alten Kuratoriums treten konnte,verdankt die FU der Experimentierklausel - sie durfte vom Hochschulgesetz abweichen.

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