Gesundheit : Neue Direktoren sollen historische Grabungen fortführen

Wolfgang Lehmann

Das Deutsche Archäologische Institut (DAI) hat drei neue Direktoren gewählt. Wie berichtet, wird Wolf-Dietrich Niemeier, Professor für Klassische Archäologie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, neuer Erster Direktor der Abteilung Athen des DAI. Adolf Hoffmann, Professor für Baugeschichte an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus, übernimmt in gleicher Position die Leitung der Abteilung Istanbul des DAID. Der Vorderasiatische Archäologe Burkhardt Vogt, bisher Leiter der DAI-Außenstelle Sanaa (Jemen) wird Erster Direktor der Kommission für Allgemeine und Vergleichende Archäologie (KAVA).

Wolf-Dietrich Niemeier wird vom nächsten Jahr an das zweitälteste Auslandsinstitut des DAI, die 1874 gegründete Außenstelle Athen leiten, um damit die Kontinuität der traditionsreichen Grabungen des Instituts - Kerameikos in Athen, Olympia, Samos und Tiryns - zu gewährleisten. Sein Forschungsschwerpunkt sind die bronzezeitlichen Hochkulturen, in Griechenland die minoische und mykenische Kultur. So hat er in einer eigenständigen Grabung in Israel am Tell Kabri - in Zusammenarbeit mit israelischen Archäologen - minoische Fresken entdeckt, die kretisch beeinflußt sind und wahrscheinliche von Wanderarbeitern aus Kreta gefertigt wurden. Niemeier ist in Athen kein Unbekannter: Er war von 1983 bis 1986 Referent beim damaligen Direktor Helmut Kyrieleis (dem jetzigen Präsidenten des DAI) und hat bei dessen Grabung in Samos mitgewirkt. "Gegenüber", im kleinasiatischen Milet an der türkischen Küste, erkundet er für die Heidelberger Universität mit Mitteln einer amerikanischen Stiftung ebenfalls die Bronzezeit.

Der Bauhistoriker Adolf Hoffmann hat ebenfalls früher an seiner künftigen Wirkungsstätte in Istanbul gearbeitet. Er war nach seiner Assistentenzeit in Karlsruhe, wo er auch promoviert hat, von 1981 bis 1986 Architekturreferent in der Außenstelle Istanbul des DAI und leitete die Grabung in der römischen Stadt Aizanoi. Anfang 1987 kam er in die Berliner Zentrale des DAI und erforschte von hier aus die römische und hellenistische Vergangenheit der Stadt Gadara (Umm Qais) in Jordanien. Er leitete das Architekturreferat des DAI in Berlin und wurde 1994 als Professor für Baugeschichte an die Brandenburgische Technische Universität Cottbus berufen. Bauhistoriker der BTU Cottbus haben im vorigen Jahr im italienischen Auftrag Forschungen auf dem Palatin in Rom abgeschlossen, Studenten arbeiten bei Grabungen in Ostia, im Sudan oder in Syrien mit. Im DAI Istanbul erwarten ihn die Fortführung der Grabungen der 1929 gegründeten Außenstelle: Bogazköy-Hattusa, Milet, Didyma, Pergamon, Aizanoi sowie die Untersuchungen der neolithischen Vergangenheit in Südostanatolien.

Burkhardt Vogt hat gemäß seinem Fach bisher in vorderasiatischen Ländern von Oman bis Jemen geforscht. Mit seiner Dissertation über bronzezeitliche Bestattungssitten auf der Halbinsel Oman wurde er 1985 an der Georg-August-Universität Göttingen promoviert, hat vor der islamischen Revolution im Iran 1979 dort an den DAI-Grabungen von Takht-I Suleiman und Firuzabad mitgearbeitet und sich bis zu seiner Einstellung als Referent beim DAI in Sanaa in den Vereinigten Arabischen Emiraten aufgehalten. Unter anderem war er Hofarchäologe beim Emir Saqr bin Mohammed al-Qassimi in Ras al-Khaimah. Seit 1994 ist er Leiter der Außenstelle Sanaa. Schwarzafrika sei in der archäologischen Forschung unterrepräsentiert, klagt Vogt. Nun will er den prähistorischen Vergleich zwischen der Arabischen Halbinsel und dem Horn von Afrika wagen.

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