Gesundheit : Neue Karriere eines Hormons

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Ein Hormon, das bisher als "Schwangerschaftshormon" bekannt war, spielt auch als "Herzhormon" eine Rolle. Das Peptid mit dem bezeichnenden Namen Relaxin, das durch Lockerung des Gewebes im Geburtskanal die Entbindung erleichtert, wird auch im Herzen von Patienten mit Herzschwäche gebildet. Für diese Erkenntnis wurde jetzt der Internist Thomas Dschietzig aus der Arbeitsgruppe von Karl Stangl an der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Kardiologie, Angiologie und Pulmonologie der Charité mit dem Forschungspreis 2000 der Charité ausgezeichnet.

Bei der Herzinsuffizienz ist das lebenswichtige Zentral-Organ nicht mehr in der Lage, seine Pumpfunktion ausreichend zu erfüllen. Die Folge sind Beinträchtigungen der körperlichen Leistungsfähigkeit und Auswirkungen auch auf zahlreiche andere Organe.

Um die Schwäche aufzufangen und auszugleichen, werden im Körper die verschiedensten Mechanismen in Gang gesetzt. Die Charité-Arbeitsgruppe konnte nun erstmals zeigen, dass dabei unter anderem auch die Konzentration des Hormons Relaxin im Blut ansteigt, und zwar um so mehr, je ausgeprägter die Pumpleistungsschwäche des Hohlmuskels ist.

"Mehr als 75 Prozent der Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz haben erhöhte Relaxin-Spiegel", sagt Dschietzig. Umgekehrt konnte bei einer Verbesserung des Krankheitsbilds durch Behandlung mit verschiedenen Medikamenten ein Abfall des Peptidhormons gemessen werden.

Das war für die Forscher Anlass, sich auch für die beiden Relaxin-Gene zu interessieren: Sie stellten fest, dass die Gene H1 und H2 in Herzgefäßen und -gewebe von Erkrankten besonders aktiv sind. Offensichtlich ist die Erhöhung des Drucks in den mit Blut gefüllten Herzkammern und die damit verbundene Dehnung der Herzwand das Signal für die Ausschüttung des Hormons im Herzen.

Relaxin wirkt als Gegenspieler von Substanzen wie Endothelin 1, die Gefäße verengen und auch gefürchteten Folgen wie Wassereinlagerung im Körper und Vermehrung von Bindegewebe im Herzmuskel den Weg bereiten. Das Hormon, das in der Schwangerschaft die Geburtswege weitet, weitet bei der Pumpschwäche des Herzens also die Blutgefäße.

"Unsere Daten deuten darauf hin, dass Relaxin bei der menschlichen Herzinsuffizienz im Spiel ist und möglicherweise für die Diagnostik und die Behandlung dieses Leidens wichtig sein könnte", schreiben die Autoren daher in ihrer preiswürdigen Publikation im Fachblatt "Faseb" (vom Oktober 2001, Seite 2187).

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