Neue Kolumne zu Sportverletzungen : Dr. Dollas Diagnose

Einst behandelte der Berliner Orthopäde Dr. Thorsten Dolla die Spieler von Hertha BSC, nun schreibt er für uns in seiner Kolumne "Dr. Dollas Diagnose" über Sportverletzungen. In der zweiten Folge: Carlo Jankas schnelle Genesung nach einem Eingriff am Herzen.

Dr. Thorsten Dolla
Carlo Jankas Herzfrequenz hatte sich unter Belastung und Stress nicht normal verhalten.
Carlo Jankas Herzfrequenz hatte sich unter Belastung und Stress nicht normal verhalten.Foto: dpa

Zehn Tage nach einem operativen Eingriff am Herzen ist Carlo Janka beim Riesenslalom in Slowenien wieder an die Spitze eines Weltcup-Rennens gefahren. Der Olympiasieger aus der Schweiz gewann in Kranjska Gora den Riesenslalom. Bei einem zweistündigen Eingriff wurden überflüssige Reizleitungsbahnen am Herzen unterbrochen. Wegen dieser Leitungen hatte sich Jankas Herzfrequenz unter Belastung und Stress nicht normal verhalten. Das Beispiel von Carlo Janka ist nur eins von vielen. Immer wieder ist zu beobachten, wie rasch Leistungssportler nach Verletzungen wieder in Wettkämpfe gehen. Warum ist das so? Haben Sportler die besseren Gene?

Das ist keine Frage der Gene. Fakt aber ist, dass Leistungssportler nach Verletzungen schneller gesund werden als Hobbysportler. In den vergangenen Jahren hat sich die Medizin stark weiterentwickelt. Auch bei der exakten Diagnostik von Sportverletzungen ist die Kernspintomographie oder auch Magnetresonanztomographie nach der manuellen Untersuchung mittlerweile fest etabliert. Von diesen Geräten stehen allein in München heute mehr als in ganz Italien! Für Leistungssportler bedeutet dies, dass sie zusätzlich eine ergänzende rasche wie fehlerfreie Diagnose erhalten. Denn anders als beim Röntgen, wo vorwiegend die knöchernen Strukturen beurteilt werden, können bei einer Kernspin-Untersuchung auch Verletzungen am Muskel, am Knorpel und an Organen dargestellt werden. Das wiederum ist die Voraussetzung für eine schnelle und erfolgreiche Therapie. Je schneller eine fehlerfreie Diagnose, desto schneller kann mit der geeigneten Therapie begonnen werden. Dies ist die Voraussetzung für eine frühzeitige und erfolgreiche Rückkehr des Sportlers.

Dr. Thorsten Dolla schreibt regelmäßig für den Tagesspiegel über Sportverletzungen.
Dr. Thorsten Dolla schreibt regelmäßig für den Tagesspiegel über Sportverletzungen.Foto: promo

Diese apparativen diagnostischen Möglichkeiten bleiben Normalsterblichen nicht verschlossen, aber sie profitieren natürlich nicht von der zum Teil erstklassigen Betreuung eines Leistungssportlers. Ein Kassenpatient muss häufig sehr viel länger auf einen Kernspin-Termin respektive Operations-Termin warten. Das Umfeld eines Leistungssportlers ist ganz anders organisiert, ein Berufssportler genießt eine professionelle Betreuung.

Natürlich profitiert ein Leistungssportler auch von seiner besseren körperlichen Gesamtkonstitution. Er hat dadurch prinzipiell bessere Voraussetzungen auf eine rasche Genesung. Selbst wenn Leistungssportler und Normalbürger bei gleicher Verletzung am selben Tag operiert würden, hätte der Leistungssportler mit hoher Wahrscheinlichkeit den besseren Heilungsverlauf.

Durch Studien in Medizin und Trainingswissenschaft weiß man inzwischen, dass eine frühfunktionelle Mobilisation im Vordergrund steht. Eine Ruhigstellung, wie etwa bei einer Gipsanlage, wird nur noch in Ausnahmefällen vorgenommen.

Derzeit werden verletzte Leistungssportler mindestens drei bis vier Stunden täglich behandelt. Für sie ist die Gesundheit ihr Kapital. Auch deshalb begleiten Leistungssportler eine Verletzung und die folgenden Therapien mit einer anderen Einstellung. Trotzdem kann auch der Leistungssportler die Gesetze der Natur nicht umgehen, wohl wissend, dass auch sie Geduld benötigen. Ein Normalbürger kann oft gar nicht den zeitlichen Aufwand der Therapie betreiben. Jeder Patient sollte aber möglichst viel an Zeit und Ernsthaftigkeit in die eigene Genesung investieren, auch wenn es nicht immer leicht ist, etwa eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse zu erhalten.

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