Gesundheit : Neue Regelungen und einheitliche Normen sollen in Zukunft den Lebensweg von Industrieprodukten beschreiben

Vlad Georgescu

Wer die Wahl hat, besagt der Volksmund, hat die Qual. Welche Produkte die Umwelt am wenigsten belasten und damit die günstigsten Ökobilanzen aufweisen, war bislang daher eher eine reine Glaubensfrage. Damit soll nach dem Willen der Industrie und des Umweltbundesamtes (UBA) Schluss sein.

Neue Regelungen und einheitliche Normen beschreiben in Zukunft den Lebensweg von Industrieprodukten, sagten Fachleute auf einer Tagung der Gewerkschafts-Stiftung Arbeit und Umwelt zum Thema "Ökobilanzen und Produktverantwortung" am Mittwoch in Hannover. Mit Hilfe der Ökobilanz, auch als "Produkt-Ökobilanz" bekannt, erfassen die Experten die Stoffströme in der Produktion vollständig. Das Ziel: Die genaue ökologische Bewertung eines Produktes.

Was so einfach klingt, ist in Wirklichkeit eine wahre Datenflut, die es zu bewerten gilt. So fanden UBA-Wissenschaftler bereits vor fünf Jahren heraus, dass der Verkauf von Milch in Plastikbeuteln unterm Strich die Umwelt nicht mehr belastet als der Kauf von Mehrwegflaschen. Bei letzteren "fressen" lange Transportwege den ökologischen Mehrwert-Effekt eben auf. Auf regionale Produkte achten, lautet daher die Devise.

Nicht minder erstaunlich sind Ergebnisse über die Verwendung von OP-Materialien in Krankenhäusern. Wer statt reiner Baumwolltextilien auf Vlies setzt, erzielt einer Untersuchung des Jahres 1996 zu Folge bessere Bilanzen. Der Grund: Die für den Treibhauseffekt maßgeblichen Emissionen von Kohlendioxid fallen für alle verglichenen Textilien höher aus als für Vliesstoff.

Verwirrende Zusammenhänge, die der Laie kaum bewältigen vermag. Daher forderte der Präsident des UBA, Andreas Troge, auf der Tagung in Hannover mehr Transparenz von der Industrie. Der Lebensweg eines Produktes schließlich sei "eine wichtige Entscheidungshilfe für die Politik". Die Industrie scheint, nicht nur in aufwändigen TV-Spots, verstanden zu haben, sie legte das Positionspapier "Innovationen in der Marktwirtschaft - Die politische Rolle von Ökobilanzen" vor.

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