Gesundheit : Neue Stoßdämpfer fürs Knie

Auch der Meniskus kann heute nach Unfällen verpflanzt werden

Adelheid Müller-Lissner

Kein Zweifel: Eine Verletzung des Meniskus ist schmerzhaft und schränkt die Beweglichkeit ein. Wenn nach einem Riss die beschädigten Teile entfernt werden, enden meist die Qualen, das Knie ist wieder zu gebrauchen. Ein solcher Eingriff wird heute minimal-invasiv, also ohne großen Schnitt durch das Gewebe vorgenommen.

Braucht also das Knie seine Menisken überhaupt? Kann man sie entfernen wie den „Blinddarm“? So einfach ist es nicht. „Leider steigt das Risiko, später eine Arthrose des Kniegelenks zu entwickeln, mit dem Volumen der Meniskus-Substanz, die entfernt werden musste“, sagte der Orthopäde Dieter Kohn von der Uniklinik in Homburg/Saar jetzt auf dem Kongress der Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und der Gesellschaft für Unfallchirurgie im Berliner ICC. Die mondförmigen Knorpelgebilde nämlich sind zugleich Stoßdämpfer, Lastverteiler, Bremsklötze und Stabilisatoren. Auf zu viel von der kostbaren Puffersubstanz kann das Knie nicht verzichten.

In vielen Fällen können die Risse glücklicherweise gut repariert werden, vor allem, wenn sie günstig am Rand liegen. Für schwerer zugängliche Stellen verwenden die Operateure heute Schrauben, Klammern oder kleine Kunststoffpfeile. Leider sind sie aber nicht so stabil wie Nähte. Außerdem braucht es seine Zeit, bis das Knie danach wieder ganz normal bewegt werden kann.

Vor allem für Leistungssportler ist es wichtig, dass es schneller geht. Tatsächlich sind sie, wie Peter Hertel, Unfallchirurg am Berliner Martin-Luther-Krankenhaus, berichtete, oft schnell wieder fit. „Dies liegt an der gesteigerten trainingsbedingten Beanspruchung. Festigkeit und Durchblutung der Bindegewebsstrukturen.“ Dazu kommt die bessere Fähigkeit, Bewegungseinschränkungen zu kompensieren. Vielleicht auch die Bereitschaft, mehr Schmerzen zu ertragen. Nicht selten zeigen sich Folgen jedoch später.

Der Orthopäde Kohn beichtete von einer 20-Jährigen, deren Außenmeniskus nach einer Verletzung im Vereinssport operiert wurde. Sie hatte Schmerzen bei jedem Schritt. Der jungen Frau wurde der Außenmeniskus eines Organspenders transplantiert. Das ist noch ein seltenes Verfahren. In Europa wurde es 2001 nur 41-mal angewandt. Noch ist unklar, ob das Transplantat dafür sorgt, dass seine Empfänger von Arthrose verschont bleiben. Sicher ist, dass es Schmerzen mildert.

Der „Meniskus aus der Retorte“ ist dagegen noch keine Alternative zur Transplantation. Gewebeersatz, der sich um ein Gerüst aus Kollagen-Fasern bilden soll, ist nicht reißfest genug.

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