Gesundheit : Neue Zeitrechnung: 1582 - Europas Zeit wird umgestellt

Ingo Bach

Heute vor 418 Jahren, am 4. Oktober 1582, begann in Europa im tatsächlichen Sinne eine neue Zeitrechnung. Die acht Monate zuvor von Papst Gregor XIII. verkündete Kalenderreform trat in Kraft. Auf den 4. Oktober folgte der 15. Oktober - alle Tage dazwischen fielen aus.

Diese drastische Reform war notwendig geworden, weil der nach seinem Veranlasser Julius Cäsar "Julianisch" genannte Kalender dem astronomischen Zeitenlauf um 10 Tage hinterher hinkte. Das Sonnenjahr war von Cäsars Astronomen nicht genau berechnet worden. Für das einfache Volk war diese Diskrepanz sicher ohne weiteren Belang. Es folgte im Mittelalter eher dem aus praktischen Erfahrungen der Landwirtschaft, okkulten Vorstellungen und christlichen Feiertagen gemischten Bauernkalendern.

Für die Kirche aber ergaben sich Schwierigkeiten: das Osterfest, das nach der biblischen Überlieferung auf den Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond fällt, hatte sich durch die Verschiebung weit vom jüdischen Passahfest entfernt, das sich am astronomischen Frühlingsbeginn orientiert. Doch die Beziehung zum Passahfest war kirchlich gewollt, überlieferte das Neue Testament doch die Leidensgeschichte Jesu genau in diesem Zusammenhang.

Zwar war das "Vorgehen" des alten Kalenders schon längere Zeit offensichtlich - in jedem Jahrtausend summierte sich die Abweichung um weitere sieben Tage -, aber die konservative Kirche blieb zögerlich. Erst die Fortschritte in Astronomie und Mathematik offenbarten die Regelmäßigkeit der "Weltmaschine" und damit die Möglichkeit, die menschliche Zeitrechnung am Universum zu orientieren.

Die von Papst Gregor im Jahre 1578 berufene Mathematiker- und Theologenkommission stand vor zwei Problemen. Erstens musste die Abweichung zum Julianischen Kalender korrigiert und zweitens eine künftige Abweichung vermieden werden. Das zweite wurde mit einer komplizierten Schalttags-Regelung gelöst. Alle vier Jahre sollte ein Schalttag eingefügt werden, der allerdings bei den Jahrhundertwenden ausfällt, um wiederum bei allen durch 400 teilbaren Jahreszahlen wieder eingefügt zu werden.

Da die Kalenderreform von der katholischen Kirche initiiert worden war, gestaltete sich ihre Durchsetzung im Europa der Reformation schwierig. Während alle katholischen Länder die Reform schnell durchsetzten, dauerte es bis ins 20. Jahrhundert hinein, bis alle anderen europäischen Staaten der an sich vernünftigen Umstellung zum heute gültigen Gregorianischen Kalender folgten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben