Gesundheit : Neuer Campus für die FU: Freie Universität hat Kostenplan - Aber der Finanzsenator stellt sich quer

Uwe Schlicht

Das American Headquarter ist zu haben - preiswerter als je zuvor. Aber das Land Berlin kann sich nicht entscheiden. Der Regierende Bürgermeister möchte die Anlage für die Freie Universität erwerben lassen, damit die FU einen weiteren repräsentativen Campus erhält. Viele verstreute Villenstandorte in Dahlem könnten dann aufgeben werden, was durchaus im Interesse der Stadt und des Bezirkes Zehlendorf liegt. Aber Diepgen kann sich nicht durchsetzen, obwohl auch Wissenschaftssenator Christoph Stölzl ihn unterstützt. Sein Finanzsenator stellt sich quer. Peter Kurth möchte bei dieser Gelegenheit aus dem Bund herausquetschen, was nur möglich ist - und aus der FU auch. Für den Landesetat - versteht sich. So verrinnt die Zeit, ohne dass entschieden wird.

Ursprünglich hätte das einstige American Headquarter an der Clayallee für Erwerb und Sanierung den stolzen Preis von 93 Millionen Mark erfordert. Jetzt hat die FU eine Lösung gefunden, die das Land Berlin keine Mark kosten soll. Aber es muss schnell gehandelt werden, weil mit jedem neuen Winter ohne Nutzung der Gebäudekomplex verfällt und die Sanierungskosten für einen Erwerber immer höher werden. Außer der FU gibt es keine ernsthaften Bewerber für die Gebäude, die einst unter Hermann Göring für die Luftwaffe errichtet worden waren.

Finanzsenator Kurth meint nun, wenn die FU direkt von der Oberfinanzdirektion die Gebäude erwerben wolle, lasse sich nach den Verbilligungsrichtlinien zwischen Bund und Ländern der Preis eigentlich halbieren. Peter Kurth hat noch eine weitere Bedingung gestellt: Er möchte, dass die Freie Universität, sofern sie für den Kauf des einstigen US-Headquarters etliche Villen in Dahlem aufgibt, die Hälfte des Erlöses für die Landeskasse abzweigt. Im Haushalt dieses Jahres geistert nämlich eine pauschale Minderausgabe herum, die die Hochschulen in Höhe von 27 Millionen Mark erbringen müssen. Das können die Hochschulen nur, wenn sie attraktive Grundstücke verkaufen.

Keine Kosten für das Land



Die FU weigert sich, diesem Sachzwang zu gehorchen. Denn nach ihrem Konzept kann sie zusammen mit dem Bund den Kauf und die Sanierung des Headquarters nur dann auf die Beine stellen, ohne dass Kosten für das Land Berlin entstehen, wenn sie aus ihren Villenverkäufen den vollen Erlös erzielt und nichts für den Landesetat abzweigt.

Der Plan der Universität sieht so aus: Sie kauft für 48,4 Millionen Mark die einstige US-Anlage und bekommt vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung, weil das Gelände für die Hochschule genutzt wird, die Hälfte des Geldes erstattet. Es ist im Hochschulbau so üblich, dass sich Bund und Länder in die Kosten teilen. Dann saniert die FU die Gebäude des Headquartes für 45 Millionen Mark - von dem Geld erhält sie wiederum die Hälfte vom Bund. Damit entfallen auf die FU Gesamtkosten in Höhe von 46,7 Millionen Mark. Die kann sie durch den Erlös aus Villenverkäufen und aus Einsparungen von enormen Mietkosten aufbringen: So will die FU etwa ihren prunkvollen Amtssitz im ehemaligen Kommandanturgebäude in der Kaiserswerther Straße aufgeben. Das Präsidialamt möchte, wenn der Deal klappt, in das Headquarter umziehen.

Kleine Fächer zusammenführen



Seitdem Gesine Schwan die Idee des American Headquarters in die Öffentlichkeit lanciert und für den Standort eines neuen repräsentativen Campus geworben hatte, hat sie viele Sympathisanten gewonnen, darunter Eberhard Diepgen und den jetzigen Schulsenator und früheren Fraktionsvorsitzenden der SPD, Klaus Böger. In der Tat könnte die FU an der Clayallee ihre anspruchsvollen Kleinen Fächer konzentrieren - Fächer, die bisher auf viele Villenstandorte verstreut sind und andererseits zu den Stärken der Universität gehören.

Gerade erst hat der Wissenschaftsrat empfohlen, dass die Universitäten in Berlin hochschulübergreifende Zentren bilden. Das Antike-Zentrum, das die FU mit der Humboldt-Universität aufbauen will, könnte auf dem neuen Campus untergebracht werden. Auch die Publizisten, die bisher in Lankwitz logieren und die Soziologen, die ihr Institut in Schöneberg haben, würden mit dem Umzug ins Headquarter nahe ans Stammgelände der Uni herangeführt. Zwischenzeitlich, bis die Sanierung der Rostlaube abgeschlossen ist, wären auch die Germanisten mit einem Flügel des Headquarters gut bedient.

FU-Präsident Peter Gaehtgens kommentiert gegenüber dem Tagesspiegel die Lage: "Seitdem Berlin Hauptstadt geworden ist, muss die Stadt noch etwas anderes vorweisen können als nur Olympiastadion und U-Bahnlinie 5. Als Hauptstadt ist sie auf die Ausstrahlung von Wissenschaft und Kultur angewiesen. In den letzten Jahren hat die Freie Universität durch die Sparauflagen einen Schrumpfungsprozess ohnegleichen durchgemacht und zugleich ihre wissenschaftliche Leistung erhöht. Die Motivation der Wissenschaftler, sich auf diesen Weg zu begeben, kann nicht auf Dauer in Frage gestellt werden. Die Freie Universität muss endlich Licht im Tunnel sehen. Ihr Sparbeitrag und auch ihr wissenschaftlicher Aufschwung müssen durch ein positives Signal beantwortet werden - eben durch eine Entscheidung für das US-Headquarter."

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