Gesundheit : Neuer Masterstudiengang: Lernen, wie man Konzerne fusioniert

Mike Scheller/Tilmann Warnecke

Daimler heiratet Chrysler, Lufthansa fliegt mit United und Thai Airways, Firmen-Niederlassungen von Bangalore bis Buenos Aires: Global heißt das Zauberwort, bei dem die Dollarzeichen in Unternehmeraugen blinken. Nur die deutschen Universitäten sind oft noch zu deutsch - gerade für den Wirtschafts-Nachwuchs kann das schnell zum Nachteil werden. Die Ökonomen der Humboldt-Universität denken jetzt um. In ihrer Fakultät direkt gegenüber der alten Berliner Börse hört man seit einigen Semestern zwischen vielen deutschen auch ein paar englische, portugiesische, französische, chinesische und russische Stimmen. Die gehören zu den 42 Studenten des neuen Masterstudiengang "Master in Economics and Management Science". "Unsere Fakultät will sich damit international orientieren", sagt Finanzwissenschaftsprofessor Bengt-Arne Wickström, auch Auslandsbeauftragter der Fakultät.

Aus 34 Ländern kommen die angehenden Management-Master. Die Französin Jihane Bouziem hat nach ihrem BWL-Studium in der Heimat und einem in London in Berlin noch ein drittes rangehängt. "I want to improve my German", sagt sie. Neben Deutschkursen belegt sie Veranstaltungen aus Betriebs- und Volkswirtschaft sowie Mathematik und Statistik. Dabei lernt Jihane, wie man internationale Konzerne managt, große Industriebetriebe fusioniert und am besten Kredite vergibt. Deutsche Diplomstudenten dagegen spezialisieren sich nach dem Vordiplom auf einen der Bereiche. Mindestens ein Semester des fünfsemestrigen Studiums sollten die Studenten im Ausland verbringen - für deutsche Absolventen, die zuvor noch nicht an einer ausländischen Uni waren, ist das sogar verpflichtend. Zu den Austauschpartnern gehören die Unis Berkeley und Montreal. Die Abschlussnoten sind deswegen ganz im Sinne der Globalisierung internationalen Standards angepasst. "Das Credit-Point-System ist neben der aufgelockerten Prüfungsordnung ein großer Vorteil," sagt Christian von Oppen. Der BWL-Student arbeitet als Tutor des Masterprogramms, um seine ausländischen Kommilitonen zu unterstützen. Beim Credit-Point-System erwerben die Studenten nach jeder Lehrveranstaltung Anrechnungspunkte, die bei der Abschlussprüfung zusammengerechnet werden. In der Heimat können Studienleistungen so mit den deutschen verglichen werden.

Seit dem Wintersemester 1998/99 bieten die HU-Wirtschaftswissenschaftler den "Master in Economics and Management Science" an. Für ausländische Studenten soll ein Studium in Deutschland so besonders attraktiv werden. Deswegen sind Deutschkenntnisse keine Zulassungsbedingung, sondern allein die fachliche Qualifikation. Wirtschaftswissenschaftler, aber auch Juristen, Politologen und Ingenieure können nach dem Vordiplom oder Bachelor-Abschluss kommen. Letzter Härtetest bei der Auswahl ist dabei das Graduate Record Examen (GRE). Dabei werden das Englisch und die mathematisch-analytischen Fähigkeiten geprüft. Zusätzlich müssen Bewerber, deren Muttersprache nicht Englisch ist, noch den TOEFL-Test bestehen. Die Aussicht, später einmal selbst zum Teamchef bei einem Global Player der internationalen Wirtschaft ernannt zu werden, lockt immer mehr Master-Studenten nach Berlin. Für das kommende Wintersemester sind über 3000 Anfragen und 180 Bewerbungen eingegangenen, 45 Studenten treten ab Oktober in der HU ihr Studium an. Die Organisatoren planen, dass im Jahr 2001 bis zu 60 Masterstudenten an der Ausbildung teilnehmen. Dann soll sich auch der Anteil deutscher Studenten am internationalen Programm von bisher 20 auf 50 Prozent steigern. Und wer sich nicht zum Daimler-Trainer berufen fühlt, kann eine künstlerische Karriere einschlagen, weiß Wickström: "Als Kulturmanager kann man auch am Theater arbeiten."

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