Gesundheit : Neuer Nasa-Roboter: Zwei Hände, aber keine Füße

Thomas de Padova

Roboter haben einen von Natur aus weichen Händedruck. Die Metallpfötchen von Katharina aus Magdeburg zum Beispiel legen sich gefühlvoll in die Hand ihres Gegenübers. Denn Katharina kann nicht auf eigene Erfahrungen zurückgreifen. Sie prüft mit Hilfe ihrer am Fraunhofer-Institut gebauten Kraftsensoren jedes Mal aufs Neue, wo und wie sie ihre runden Aluminiumplättchen absetzen kann.

So sensibel die Automatenhände sind - bislang konnten Roboter mit Fingern wenig anfangen. Einer von Katharinas amerikanischen Cousins ist inzwischen jedoch ebenso feingliedrig wie geschickt. Er hat vier Finger und einen Daumen an jeder Hand, hantiert mit Werkzeugen und Maschinen und könnte in wenigen Jahren dort zum Einsatz kommen, wo es für den Menschen unbequem und gefährlich ist: im Weltraum.

"Robonaut" soll den Astronauten auf der Internationalen Raumstation zur Hand gehen und ihnen schwierige Arbeiten abnehmen. Die Ingenieure der US-Weltraumbehörde Nasa haben ihn dazu dem Umfeld der Astronauten angepasst. Er sieht beinahe aus wie einer von ihnen, wenngleich ein wenig futuristischer: Robonauts Kopf ist unter einem Helm geschützt und sitzt auf einem beweglichen Nacken und einem Torso. In jedem der zwei mit Teflon beschichteten Arme messen mehr als 150 Sensoren die Wärme, den Druck auf die Finger und vieles mehr. Allerdings hat der menschenähnliche Roboter nur ein Bein und keinen Fuß, weil dies in der Schwerelosigkeit eher lästige Fortsätze sind.

Dank seiner Statur wird sich Robonaut durch alle Labors und Schleusen der Raumstation bewegen können. Vor allem soll er hinaus in den freien Weltraum schweben und dort Außenreparaturen und Montagearbeiten bewältigen. Er braucht sich dazu keinen Raumanzug mit klobigen, unpraktischen Handschuhen überzustreifen. Seine Motoren funktionieren auch im Vakuum reibungslos. Die Gelenke hielten den Tests in einer Vakuumkammer auch bei extremen Minusgraden und hinauf bis zu plus 105 Grad Celsius stand.

Wenn Robonaut tatsächlich in fünf Jahren auf Montage gehen sollte, wie etwa der Nasa-Ingenieur Robert Ambrose hofft, bleibt er gleichwohl am elekronischen Gängelband eines Astronauten. Denn der Roboter arbeitet ferngesteuert wie eine moderne Fabrikmaschine. Die Blickrichtung seiner Kameraaugen, seine Hand- und Armbewegungen während einer Reparatur werden von einem Astronauten vorgegeben. Jede Kopfdrehung, jeder Fingerzeig des Astronauten überträgt sich dabei direkt auf den Roboter.

Der Astronaut schlüpft dank der Sensoren in seinen Handschuhen oder der Brille für eine gewisse Zeit in einen zweiten, einen metallischen Körper. Auf diese Weise lassen sich möglicherweise auch die hochfliegenden Marsbesiedlungspläne der Nasa schneller, besser und billiger realisieren: Astronauten könnten den Roten Planeten dereinst betreten, ohne je dort gewesen zu sein.

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