Gesundheit : Neuer Ratgeber für eilige Bewerber

Jörg Kühl

Seit mehr als zehn Jahren veröffentlichen die Bewerbungsexperten Jürgen Hesse und Christian Schrader regelmäßig Ratgeber, die teilweise schon Klassikerstatus genießen. Nun liegt ein sehr handliches Büchlein vor, das die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Bewerbung in knapper Form auf den Punkt bringt. Damit richten sich die Autoren an kurz entschlossene Bewerber, die nicht mehr viel Zeit für die Vorbereitung übrig haben.

Neben klassischen Problemen, wie "Was sind die wichtigsten Bausteine für die schriftliche Bewerbung?" oder "Wie kann man seine Aufregung beim Vorstellungsgespräch bekämpfen?" sprechen die Autoren auch neue Fragen an. Zum Beispiel, wie man die modernen Medien Internet oder E-Mail richtig für die Bewerbung nutzen kann. Leider kommt dieser Themenbereich auf nur vier Seiten allerdings relativ kurz. Eine längere Adressenliste der Internet-Jobbörsen wäre wünschenswert gewesen.

Hesse und Schrader erläutern in ihrem Kompendium aber auch neue Trends in der Rekrutierungsszene. Gute Chancen haben demnach Bewerber, die auf eigene Faust bei Personalchefs vorstellig werden, vielleicht sogar auf einer Jobmesse. Wie solche "Initiativbewerbungen" funktionieren, erläutern die beiden Diplom-Psychologen mit dem Vokabular der Werbepsychologie: Aufmerksamkeit erzeugen, Interesse wecken, Wunsch des Näher-Kennenlernens auslösen, die Einladung veranlassen.

Ratgeber helfen nicht in jeder Situation

Ob es vorteilhaft ist, einen Bewerbungsratgeber zu studieren, bevor man sich in das vermeintliche Haifischbecken einer Bewerbungsroutine stürzt, hängt ganz entscheidend von der jeweiligen Persönlichkeit des Bewerbers und vom angestrebten Beruf ab. Peter Schwalbach, der seit kurzem als Nachwuchsingenieur in einer Entwicklungsabteilung arbeitet, hat sich zum Beispiel "nicht großartig" auf das Bewerbungsgespräch vorbereitet: "Natürlich sein, nicht lügen, zu sich selber stehen, das ist es. Nicht noch schnell die Firmenzahlen auswendig lernen!", sagt der Dreißigjährige. Kirsten Paroll, seit Januar frischgebackene Projektmanagerin, ist dagegen überzeugt davon, dass sie sich durch die Bewerbungsratgeber, die sie gelesen hatte, besser auf das Prozedere bei einer Bewerbung vorbereiten konnte: "Man ist auf die Fragen gefasst, kann schneller reagieren."

Eberhard-Eike Schur, der bei Siemens für die Einstellung von Hochschulabsolventen zuständig ist, hält nichts von Bewerbungsratgebern: "Man kann sich gar nicht so lange verstellen, wie das Gespräch dauert." Bewerber mit etwas Lampenfieber findet Schur ohnehin sympathischer als solche, die nur so vor angelerntem Selbstbewusstsein strotzen. Bei der Bewerbung gehe es schließlich darum, eine Beziehung aufzubauen: "Es ist wie bei einem Rendezvous."

Doch gerade ein Rendezvous steht und fällt mit dem ersten äußeren Eindruck. Derek Zeiske, der erst vor kurzem von der Universität in die Berufswelt hinüberwechselte, glaubt, dass ein Bewerbungsratgeber vor allem bei der Erstellung der schriftlichen Unterlagen hilfreich sein kann: "Ich bin mir nicht sicher, dass alle Leute wissen, wie ein tabellarischer Lebenslauf aussieht. Daher sollte jeder mal in so eine Publikation reingucken, man darf bloß nicht alles Punkt für Punkt erfüllen."Jürgen Hesse und Christian Schrader: Die wichtigsten Fragen zur Bewerbung, Eichborn Verlag 1999, 14 Mark 90.

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