Gesundheit : Neuer Studiengang an der Berliner Hochschule der Künste

Nicola D. Schmidt

In der IT-Branche fehlen 75 000 Fachkräfte, das ist bekannt. Die Bundesregierung will die Lücke mit einer GreenCard für ausländische Informatiker schließen, das ist auch bekannt. Doch in dieser Rechnung steckt ein Denkfehler, meint Carsten Busch: "Das Problem ist, dass die meisten Websites bunt sind, aber nur wenige wirklich ansprechend, so dass man gerne wieder hingeht oder sogar einkauft." Busch ist an der Berliner Hochschule der Künste (HdK) für Unternehmenskooperation zuständig und ist sich sicher: was das Internet dringend braucht, sind Spezialisten für die besondere Form des Business übers Web - Electronic Business-Fachleute. Genau die will die HdK mit dem Studiengang "Electronic Business" ausbilden - und der ist neu.

"Ansatz des Studienganges ist es, das technische, das betriebswirtschaftliche und das gestalterische Know-how zusammenzubringen", erläutert Anja Karasch, Pressesprecherin der HdK. Der Studiengang entstammt einer Kooperation der HdK mit dem Institute of Electronic Business, einer Gründung von sechs Unternehmen der deutschen IT-Branche. Die Idee: ein neuer Ausbildungsgang, der den veränderten Bedürfnissen der neuen Medien gerecht wird. Auch wenn die Initiative der HdK nichts mit der aktuellen Greencard-Debatte zu tun hat, schmunzelt Carsten Busch zufrieden in sich hinein: "Schröder ist zu unserem externen Marketingleiter geworden."

Die zukünftigen Studenten sollen vor allem lernen, wie man Websites für den Konsumenten ansprechend gestaltet. Darüber hinaus geht es nicht nur um Ästhetik, sondern auch um die Vermittlung von Geschäftsmodellen und Marketingstrategien im Internet. War etwa im Einzelhandel bisher der persönliche Kontakt zum Kunden noch von großer Bedeutung zur Kundenbindung, so sind es jetzt Gewinnspiele und virtuelle Communities auf den jeweiligen Seiten der Firmen. Medienkommunikation und Marketingtheorie bilden demnach weitere Eckpfeiler des neuen Studienganges. Drei Universitäten teilen sich dabei die Lehre: Gestaltung und Medientheorie lehrt die HdK, betriebswirtschaftliche Aspekte vermittelt die Freie Universität und den technischen Teil decken Professoren der Technischen Universität ab.

Zum kommenden Wintersemester können 50 Auserwählte das Studium aufnehmen. Das Angebot richtet sich an Studenten aller Fachrichtungen, die an Wirtschaft und Medien interessiert sind und ihr Grundstudium bereits abgeschlossen haben. Nach fünf Semestern dürfen sich die Absolventen den "Diplom-Kommunikationswirt mit Schwerpunkt Electronic Business" auf die Visitenkarte drucken.

Praktische Erfahrungen wird groß geschrieben: Während des Studiums soll es Projekte der Studierenden in Zusammenarbeit mit Unternehmen geben und im letzten Semester stehen neben der Diplomarbeit auch Praktika auf dem Programm. "Wir können uns vor Anfragen der Unternehmen nach Praktikanten kaum retten", sagt Carsten Busch. Auch die Diplomarbeiten sollen in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft geschrieben werden, damit die Studenten frühzeitig Kontakte knüpfen können. Busch sieht darin auch eine Gefahr, denn die Erfahrungen aus anderen Studiengängen zeigen, dass viele Studenten vor dem Diplom abgeworben werden: "Ich versuche, den jungen Leuten klar zu machen, dass sie ihr Studium noch abschließen, damit sie in fünf Jahren, wenn der Boom vorbei ist, noch was in der Hand haben." Man ist sich an der HdK bewusst, dass die Goldgräberstimmung im Internet auch bald ein Ende haben kann, und so ist es das erklärte Ziel des Studienganges, die Studenten langfristig für einen sich ständig ändernden Arbeitsmarkt fit zu machen.

Die Finanzierung des Studienganges wird komplett vom IEB und einigen Unternehmen getragen, darunter BVG, Alba, die ProSieben-Tochter HOT sowie SMS-Dataplan. Rund 3 Millionen Mark sammelten zehn IT-Dienstleister, um Professorenstellen, Sachmittel und Forschungsmittel zu finanzieren. Die Bildungsinhalte bleiben zwar, wie Carsten Busch versichert, autonom bei der HdK, einen kleinen Schönheitsfehler hat die Kooperation dennoch: Die Experten, die den Studenten das aktuelle Know-how vermitteln sollen, kommen ausschließlich aus den Firmen, die 70 000 DM in den Studiengang investiert haben. "Wir müssen schon Rücksicht auf unsere Stifter nehmen, sonst könnte ja jeder kommen", begründet Busch diese Beschränkung. Die Finanzierung des Studienganges ist für fünf Jahre gesichert. Wenn die ersten Studenten ihren Abschluss in der Tasche haben, werden die HdK und ihre Stifter entscheiden, ob der Studiengang eine langfristige Zukunft haben wird. Zwar muss der Senator für Kultur und Wissenschaften, Christoph Stölzl, dem Studiengang noch zustimmen, die Vorbereitungen laufen aber schon. Die Studienordnung etwa wurde am vergangenen Mittwoch beschlossen.

Interessenten werden vor allem nach Begabung ausgesucht. Als Bewerbungsunterlagen wünscht sich Carsten Busch eine Art "elektronische Mappe", vielleicht mit Websites, aber auch mit Geschäftsplänen oder ansprechenden Programmierlösungen. Ganz sicher ist er da noch nicht, "wir betreten ja auch Neuland", meint er. Die offizielle Bewerbungsfrist soll im Juli beginnen, sie darf aber wie die Studienordnung erst nach Genehmigung durch den Senator bekannt gegeben werden. Interessierte können sich per E-Mail auf eine Erinnerungsliste setzen lassen und werden von der HdK automatisch benachrichtigt, wenn es soweit ist: carbus@hdk-berlin.de .

Wer es nicht schafft, hat an der HdK andere Möglichkeiten, E-Commerce zu studieren. Für das Wintersemester 2003/04 ist zusätzlich ein Nachdiplomstudiengang zum "Master of Business Administration" geplant. Dieser soll als international ausgerichtetes Post-Graduate-Programm in enger Zusammenarbeit mit der Universität St. Gallen und dem MIT in Massachusetts durchgeführt werden. Da dies ein zusätzlicher Abschluss ist, werden hier Studiengebühren erhoben. Stipendienprogramme sind aber bereits in Planung.Mehr Informationen im Internet

www.ieb.net

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben