Gesundheit : Neuerdings werben die Berliner Unis um Kontakt zu ihren Ehemaligen. Dabei geht es um mehr als Geld

Anna Kochs

Amerikanische Studenten bleiben ihrer Hochschule ein Leben lang verbunden. Hierzulande kehren die Studierenden nach dem Examen ihrer Ausbildungsstätte den Rücken und verschwinden auf Nimmerwiedersehen. Das soll jetzt ein Ende haben. Die Berliner Hochschulen schlagen ein neues Kapitel in Sachen Imagepflege auf und starten Ehemaligen-Programme, die sich gleichermaßen an Ex-Studierende, Lehrende und Mitarbeiter wenden. Wer dahinter einer Strategie wittert, die gebeutelten Universitätskassen zu füllen, liegt falsch. Es geht vielmehr darum, auch über den Abschluss hinaus mit den Absolventen in Kontakt zu bleiben.

Marcus Löbich von der Abteilung Außenangelegenheiten der FU sieht das Alumni-Programm vor einem doppelten Hintergrund. "Wir möchten die Absolventen als Lobby für die Universität gewinnen und diese künftig als Verantwortungsgemeinschaft begreifen." Doch, wer sich um seine Alumnis kümmern will, der muss sie erst einmal ausfindig machen. Hier liegt das größte Problem, denn das Berliner Datenschutz-Gesetz verbietet die Übernahme von Studierendendaten. "Bis auf einige Fachbereiche existieren kaum Absolventen-Karteien, und so müssen wir Namen und Adressen in detektivischer Kleinstarbeit zusammensuchen." Eine schwierige Aufgabe, denn die Studentenbuden sind längst geräumt und die Ehemaligen in ganz Deutschland oder im Ausland verstreut.

Zu viele wollten in den "Campus-Club"

Doch das Interesse ist da. Nach Pressemitteilungen und im Internet kamen die ersten Rückmeldungen. Zur Zeit sind in der FU-Absolventenkartei 5000 Ehemalige verzeichnet. Auf der Homepage der FU kann man sich registrieren lassen. Ein wesentlicher Bestandteil der Alumni-Arbeit an der FU sollen spezielle Weiterbildungsprogramme sein, abgestimmt auf die Interessen der Ehemaligen. Doch gute Alumni-Arbeit beginnt nicht erst, wenn die Studierenden den Campus hinter sich lassen und ins Berufsleben starten. Um sie schon während ihres Studiums enger an die Bildungsstätte zu binden, hat die FU zum Start des Wintersemesters einen "Campus Club" gegründet. Das Projekt stieß auf unerwartete Resonanz. "Wir konnten gar nicht alle Interessenten aufnehmen", sagt Marcus Löbich.

"Die Zeit für ein Ehemaligen-Programm war reif", meint auch Kristina Zerges, Leiterin der Pressestelle der Technischen Universität (TU). In Sachen Alumni-Arbeit hat die TU in Berlin die Nase vorn. Bereits im November 1999 erschien die erste Ausgabe des Alumni-Magazins "parTU". Das zweimal jährlich erscheinende Magazin wird den Ehemaligen zugesandt und ist online abrufbar. Es will ein Forum für Studenten und Absolventen zum Erfahrungsaustausch über Themen wie Existenzgründung, Berufseinstieg und Studium sein. Zusätzlich enthält die Zeitung TUintern eine Alumni-Seite. Langfristiges Ziel der Programme ist ein Netzwerk aus Studierenden, Professoren und Absolventen aufzubauen. "Wir wollen das Erfahrungswissen der Absolventen in die Universitäten zurückholen", sagt Kristina Zerges. Die universitäre Ausbildung soll mit Hilfe der Ehemaligen an der Praxis ausgerichtet, die Lehrpläne überarbeitet werden. "Alma Mater sucht ihre Kinder": Auch die TU begibt sich mit Zeitungsannoncen auf die Suche nach ihren Zöglingen. 3000 Ehemalige umfasst die Kartei bis jetzt. Täglich füllen rund drei Ehemalige das Formular auf der Homepage der TU aus.

"Know-How Transfer" zwischen Studierenden und Ehemaligen der Hochschule der Künste (HdK) verspricht sich Susanne S. Reich von einem Alumni-Programm. An der HdK wird derzeit noch an einem Konzept gearbeitet. Im Sommer sollenim Rahmen des jährlichen Rundgangs erstmals die Ehemaligen in ihre alte Ausbildungsstätte eingeladen werden. Anders als FU und TU will die HdK einen Alumni-Verein gründen, der sich durch Mitgliedsbeiträge trägt. Da nur begrenzte finanzielle Mittel für Anzeigen oder Aufrufe zur Verfügung stehen, ist das World-Wide-Web für die Initiatoren der Programme unverzichtbar. Auch die anderen Universitäten setzen bei dem Aufbau ihrer Programme auf das Internet als Instrument zur Kontaktaufnahme und -pflege. Absolventen von TU und FU können sich eine lebenslange kostenlose E-mail-Adresse einrichten lassen. Per Newsletter erhalten sie Informationen über Neuigkeiten aus dem Universitätsbetrieb und Veranstaltungsprogramme.

Die Programm nutzt jedoch nicht nur Ehemaligen. Auch wer jetzt an den Berliner Universitäten immatrikuliert ist, kann von den Netzwerken profitieren. Die FU plant eine Praktikumsbörse, die Ehemaligen qualifizierte Studenten als Praktikanten vermittelt. Ähnliche Pläne gibt es auch an der TU: "Wir könnten uns vorstellen, das Absolventen Patenschaften für Existenzgründer der TU übernehmen", so Kristina Zerges. An der Humboldt-Universität (HU) liegt die Verantwortlichkeit für die Ehemaligen-Arbeit hauptsächlich bei den Instituten, die zum Teil jetzt schon in diesem Bereich aktiv geworden sind. "Die Bindung an das Institut ist größer als an die Universität,"sagt Susann Morgner, HU-Pressesprecherin.

Auch an der HU ist man darum bemüht, eine engere Verbindung zu den Studierenden aufzubauen. Das Studium soll persönlicher werden. Auf Immatrikualtions- und Abschiedsfeiern werden Erstsemester und Absolventen begrüßt und verabschiedet. Besonders herausragende Abschlussarbeiten und Dissertationen werden mit dem Humboldt-Preis ausgezeichnet. Schon wegen ihrer Geschichte als Kaderschmiede der DDR ist der Kontakt von Seiten der Ehemaligen nicht immer erwünscht. "Viele Vorwende-Studenten erinnern sich nur mit gemischten Gefühlen an ihr Studium an der HU", erklärt Susann Morgner. Mitarbeiter und Lehrende, die im "Unfrieden" gegangen sind, wollten mit der Universität nichts mehr zu tun haben. 500 Ehemalige meldeten sich bis jetzt auf eine Fragebogenaktion der Humboldt-Universitäts-Gesellschaft. Wenn bald das Leitbild der HU neu formuliert wird, soll auch die Weiterentwicklung der Absolventen-Programme auf der Agenda stehen.

Kontakte für Ehemalige: Freie Universität Berlin, Abteilung Außenangelegenheiten, Marcus Löbich, Kaiserswerther Str. 16-18, 14195 Berlin, www.fu-berlin.de/alumni , E-mail: alumni@zedat.fu-berlin.de , Telefon: 838 73 427

Hochschule der Künste, Susanne S. Reich, Postfach 120544, 10595 Berlin, E-mail: reich@hdk-berlin.de , Telefon: 3185 2481

Technische Universität, Kristina Zerges, Pressestelle, Straße des 17. Juni, 10623 Berlin, www.tu-berlin.de/alumni , E-mail: pressestelle@tu-berlin.de , Telefon: 314 23922

Humboldt-Universität, Humboldt-Universitäts-Gesellschaft, Ines Bartsch, Unter den Linden 6, 10099 Berlin, E-mail: hu-presse@uv.hu-berlin.de , Telefon: 2093 2450

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