Gesundheit : Neues für Neulinge

Frank Schubert

"Denken Sie daran - Ihr Weg in die Karriere wird von Steuergeldern finanziert. Studium ist daher auch soziale Verpflichtung", gab TU-Präsident Hans-Jürgen Ewers den Neulingen am Erstsemester-Tag der Hochschule mit auf den Weg. Wie sie die Ressourcen am effektivsten nutzen können, konnten sie bei verschiedenen Informationsforen im Lichthof der Uni erfahren.

Darunter war etwa das Forum "Wer wird Stipendiat?", bei dem Vertreter von sechs Stiftungen ihre Förderungswerke vorstellten. Die Höhe der meisten Stipendien orientiert sich an Bafög-Sätzen. Dafür müssen die Geförderten aber kein Darlehen zurückzahlen wie beim Bafög. Jede Stiftung entscheidet nach eigenen Kriterien, wen sie fördern will. Fast alle schauen aber auf schulische Leistungen und gesellschaftliches Engagement. Zum Anforderungsprofil der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung beispielsweise gehören "Hochbegabung, charakterliche Qualitäten und ein liberales gesellschaftliches Engagement". Die hohen Erwartungen schrecken potenzielle Bewerber vielleicht ab, doch versicherten die Vertreter der Stiftung, die Chancen, gefördert zu werden, stünden gar nicht so schlecht.

Ein anderes Forum widmete sich dem Thema "Geldverdienen und Studieren - wie geht das?". Michael Jacobi von der Barmer Ersatzkasse erklärte, dass Studenten 20 Stunden pro Woche arbeiten und 640 Mark pro Monat verdienen dürfen, ohne versicherungspflichtig zu sein. Studenten, deren Job mehr abwirft, müssen Versicherungsbeiträge zahlen. In diesem Fall lohnen sich nur solche Jobs ab 1000 Mark - erst dann kommen die Studenten ins Plus. Timo Brömmer von der studentischen Arbeitsvermittlung Tusma empfahl allen Studenten, vor Arbeitsantritt eindeutige Verträge mit den Arbeitgebern abzumachen. So könnten Studenten verhindern, dass sie am Zahltag übers Ohr gehauen werden (mehr Informationen zum Jobben unter www.tusma.de ).

Beim einem weiteren Informationsforum ging es um Studieren im Ausland. "Die meisten Studis in Austauschprogrammen gehen ins englischsprachige Ausland - also USA oder Großbritannien", sagte Jutta Gbur vom Akademischen Auslandsamt der TU. Sie und fünf fortgeschrittene Studenten berichteten von ihren Erfahrungen mit Auslandsaufenthalten. Am besten sei es, nach dem Vordiplom ins Ausland zu gehen. Das setze aber eine gute Studienplanung voraus. Außerdem sei es ratsam, etwas Geld zu sparen. Die Stipendien reichten oft nicht aus, gerade wenn man noch was von Land und Leuten mitbekommen will (mehr im Internet etwa unter www.daad.de ).

Werbung für Toleranz

Gewöhnlich enden Erstsemestertage an der Technischen Universität mit einer Party. Unter dem Eindruck der Terroranschläge vom 11. September hatte sich die Universitätsleitung diesmal jedoch entschieden, den Abend nachdenklich ausklingen zu lassen - mit einer Lesung. Iris Berben und ihr Sohn Oliver hatten Texte der Historikerin und Holocaust-Forscherin Annette Wieviorka ausgewählt. In ihrem Buch "Mama, was ist Auschwitz?" gibt Wieviorka Gespräche mit ihrer dreizehnjährigen Tochter wieder. Darin geht es um die Judendeportation und Vernichtung in Deutschland und in den von den Nazis eroberten Gebieten.

Die Autorin schildert, wie ihre Tochter Fragen zu stellen begann, als sie eines Tages eine blau eintätowierte Nummer am Unterarm einer älteren Bekannten entdeckte, welche im Zweiten Weltkrieg nach Auschwitz deportiert worden war. Wegen ihrer persönlichen Nähe zu Israel liest Iris Berben schon seit 20 Jahren vor allem in jüdischen Gemeinden. Sie betonte, dass es ihr wegen des hohen Anteils ausländischer Studierender besonders wichtig sei, an der Technischen Universität aufzutreten. Ihr Sohn Oliver Berben ist Filmproduzent und hat früher an der TU studiert.

Nicht nur Iris und Oliver Berben lasen Texte zu Toleranz und Zivilcourage - auch Otto Sander leistete einen Beitrag. Er begann mit Erinnerungen an Heinrich Heine. Zum Abschluss rezitierte der Schauspieler, der in diesem Jahr seinen 60. Geburtstag feierte, ein Gedicht von Theodor Fontane aus dem Jahre 1859 - das "Traumspiel aus Afghanistan". In Fontanes Gedicht geht es um die Vernichtung eines britischen Heeres in Afghanistan im 19. Jahrhundert. Nur ein Überlebender kann sich bis Kabul durchschlagen. Die Lesung Prominenter kam beim Publikum offenbar gut an: Neben zahlreichen Studenten hatten sich auch viele Mitarbeiter der Technischen Universität und interessierte Berliner eingefunden.

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